Gastkommentar Aktienmärkte bleiben auch in den nächsten Monaten unruhig

Die internationalen Aktienmärkte stehen aktuell stark unter Druck. Das Wirtschaftswachstum in China verlangsamt sich. Das hat nicht nur wirtschaftlich, sondern auch psychologisch einen negativen Einfluss.

Die Bric-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) schwächeln. In deren Sog geraten alle kleineren Schwellenländer. Vor allem der drastische Rückgang der Rohstoffpreise trifft diese Länder. Hinzu kommt der Abzug von Geldern der Industriestaaten aus den Schwellenländern. Diese Wirtschaften sind nicht stark genug, sich selber zu tragen. Der Preisverfall beim Rohöl trifft auch die Golfstaaten empfindlich. Sie müssen sparen lernen! Da die ölexportierenden Länder ihr Quotensystem zunehmend ignorieren, kommt mehr Öl auf den Markt und drückt die Preise weiter. Der stark gefallene Ölpreis wirkt jedoch in den Industriestaaten wie ein Konjunkturprogramm.

Nicht zuletzt die Abwertung des chinesischen Yuan sorgte für große Verunsicherung am Devisenmarkt. Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist die amerikanische Zinspolitik. Höhere Zinsen können die Wirtschaft bremsen und die Aktienmärkte negativ beeinflussen. Das hat die hoch bewerteten amerikanischen Aktienmärkte unter Druck gebracht.

Europa dagegen ist weit entfernt von Zinserhöhungen. Nach wie vor wollen die großen Notenbanken mit billigem Geld die Inflation in die Höhe bringen. Das kommt den jeweiligen Regierungen sehr entgegen, da sich bei einem Zins nahe Null und einer Inflation von ein paar Prozentpunkten der Wert der Staatsverschuldung reduzieren lässt. Leider betrifft das auch die Sparguthaben entsprechend negativ.

Die Einbrüche und die starken Schwankungen an den Aktienmärkten haben vielen Investoren wieder vor Augen geführt, dass es keine sicheren Gewinne gibt. Vor allem das Beispiel der Volkswagen-Aktie hat gezeigt, dass ein einzelnes Investment äußerst risikoreich sein kann. Daher gilt der Grundsatz der breiten Streuung der Investments. Langfristig stellt die Beteiligung an guten Unternehmen eine ertragreiche Anlageform dar. Jedoch ist nur die fundamentale Betrachtung entscheidend. Die großen Welt-Unternehmen verdienen sehr gut und sind moderat bewertet. Bei einem besonnenen Agieren bieten die Aktienmärkte in den nächsten Jahren hervorragende Investitionsgelegenheiten. In den nächsten Monaten dürften die Märkte unruhig bleiben.

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Robert Beer ist mehrfach ausgezeichneter Fondsmanager aus Parkstein(Kreis Neustadt/ WN).
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