GDL-Chef: Bei der Bahn sitzen die Schuldigen

Millionen Fahrgäste sind wieder die Leidtragenden: Zwei Tage lang bestreiken die Lokführer den Personenverkehr bei der Bahn. Noch ist unklar, wie es nach dem Ausstand weitergeht.

Die Lokführer haben mit ihrem Streik am Mittwoch den Personenverkehr getroffen. Im Fernverkehr der Deutschen Bahn wurden nach Unternehmensangaben nur 30 Prozent der sonst üblichen Züge eingesetzt. Im Nahverkehr und bei den S-Bahnen sollten am Mittwoch und Donnerstag je nach Region bis zu 60 Prozent der Züge fahren. Die von der Bahn aufgestellten Ersatzfahrpläne hätten weitgehend eingehalten werden können, berichtete eine Sprecherin. Auch der Fahrgastverband Pro Bahn teilte mit: "Der Plan wird gefahren, wie er veröffentlicht ist."

Der Ausstand soll im Personenverkehr heute um 21 Uhr enden. Im Güterverkehr ist das Streikende für Freitag um 9 Uhr geplant. Private Bahnanbieter werden nicht bestreikt. Bei Autofahrern sorgte der Streik mancherorts allerdings für Probleme. In mehreren Bundesländern bildeten sich Staus auf den Autobahnen.

"Keine weiteren Ultimaten"

Die GDL drohte bereits mit einem weiteren Streik. "Es wird keine weiteren wochenlangen Ultimaten geben", sagte der GDL-Bezirksvorsitzende für Berlin, Brandenburg und Sachsen, Frank Nachtigall, der "Berliner Zeitung". Der Vorsitzende der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky, hat der Bahn die Schuld am erneuten Streik zugewiesen. "Unsere Botschaft an die Bahnfahrer ist, sich massiv mit öffentlichem Protest gegen den Bahnvorstand zu stellen, weil dort die wahren Schuldigen sitzen", sagte er am Mittwoch.

Unionsfraktionsvize Arnold Vaatz sagte der "Rheinischen Post": "Ich kann nur an die Lokführer appellieren, dass sie sich nicht von Herrn Weselsky am Nasenring durch die Manege führen lassen und ihren hervorragenden Ruf kaputt machen." Sie müssten sich stattdessen von Weselsky, distanzieren, forderte er. "Ansonsten besteht die Gefahr, dass die Reisenden der Bahn dauerhaft den Rücken kehren."

225 000 Euro am Tag

Nach Angaben der GDL waren am Mittwoch rund 3000 Mitglieder im Streik. Pro Streiktag erhalten sie 75 Euro Streikgeld von der Gewerkschaft. Das sind rund 225 000 Euro am Tag. Die GDL kann einen Zuschuss vom Beamtenbund (DBB) bekommen. Die Streikgeld-Unterstützungsordnung sehe maximal einen Betrag von 50 Euro vor, hatte der DBB-Vorsitzende Klaus Dauderstädt im November gesagt. "Wir zahlen 10 Euro für die ausgefallene Stunde, die der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer abzieht, maximal für fünf Stunden an einem Tag", fügte er hinzu.
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