GDL und EVG buhlen um die Eisenbahner

Claus Weselsky (links), der GDL-Vorsitzende, will die Existenz der Gewerkschaft sichern. Bild: dpa

Bahn und Lokführergewerkschaft haben sich trotz Streiks noch nicht angenähert. Die andere Gewerkschaft, die EVG, versucht es mit einem neuen Vorschlag.

Der Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn lässt sich ohne eine Verständigung der beiden Gewerkschaften untereinander kaum lösen. Entweder einigen sich die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) und die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) auf irgendeine Form der Zusammenarbeit oder sie legen fest, wie sie sich in Tarifverhandlungen abgrenzen.

Denn die GDL (34 000 Mitglieder) streikt vor allem dafür, dass sie künftig außer für Lokführer auch für Zugbegleiter, Bistro-Mitarbeiter, Disponenten und Lokrangierführer Tarifverträge aushandeln darf. Die EVG (210 000 Mitglieder) lehnt das ab. Sie will in Tarifverhandlungen auf Gewerkschaftsseite weiterhin bei den Berufsgruppen das Sagen haben, bei denen sie die Mehrheit der Mitglieder vertritt. Die Bahn will konkurrierende Tarifverträge vermeiden.

Verhältnisse klären

Die EVG hat jetzt den Vorschlag gemacht, die Mitgliederzahlen offenzulegen, um die Mehrheitsverhältnisse zu klären. "Wir sind bereit, einem Notar unsere Mitglieder-Datenbank zu übergeben, wenn die GDL das auch macht", sagte der EVG-Vorsitzende Alexander Kirchner. "Zugleich sollte die Deutsche Bahn dem Notar eine Liste ihrer Beschäftigten geben. Dann kann der Notar einen Abgleich machen: Welche Gewerkschaft hat in welchem Betrieb wie viele Mitglieder?" Kirchner schlägt vor, dass die Gewerkschaft, die in der jeweiligen Berufsgruppe die Mehrheit stellt, in einer Kooperation federführend über die spezifischen Themen in dieser Berufsgruppe verhandelt.

Zur Offenlegung ihrer Mitgliederzahlen ist die GDL derzeit nicht bereit. "Die Frage stellt sich momentan nicht", sagte GDL-Sprecherin Gerda Seibert am Mittwoch. Die GDL wolle Tarifpluralität, das heißt einen GDL-Tarifvertrag etwa für ihre Zugbegleiter auch dann, wenn die EVG in dieser Gruppe mehr Mitglieder haben sollte. Bahn und die GDL haben bis zum Wochenende Zeit, den Gesprächsfaden neu zu knüpfen. Denn bis Sonntag hat die GDL Streiks ausgeschlossen.

Tarifverhandlung der EVG

Am Mittwoch trafen sich Bahn und EVG zur zweiten Verhandlungsrunde. Auch da hat die EVG einen Vorschlag in Sachen Lokführer eingebracht, der zumindest Teil einer Lösung sein könnte. Sie verlangt für die bei ihr organisierten Lokführer einen Tarifvertrag, den es zurzeit nicht gibt. Dieser soll inhaltsgleich mit dem sein, der für die GDL-Lokführer gilt. Der Vorteil: Die EVG-Lokführer hätten dann wieder eine eigene Tarifgrundlage. Die EVG hat nach eigenen Angaben etwa 5000 Lokführer als Mitglieder, davon 2000 Beamte.

Dass eine Kooperation der Bahngewerkschaften möglich ist, zeigten die Jahre bis 2002. Dann kam es zum Bruch. Anlass war ein Streit um einen neuen Tarifvertrag für die Beschäftigten der Nahverkehrstochter DB Regio. Er sollte der Bahn helfen, im Wettbewerb gegen kostengünstigere Konkurrenten zu bestehen. Die GDL lehnte den Vertrag ab, weil er dem Fahrpersonal mehr Schichten zugemutet hätte. Scharenweise wechselten Eisenbahner von Transnet und GDBA, aus denen später die EVG entstand, zur GDL.
Weitere Beiträge zu den Themen: Berlin (7520)Oktober 2014 (9309)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.