Geld im Ausland anlegen
Zinsportale sind nicht ohne Risiko

Über etwas mehr Zinsen - und seien es nur ein paar Zehntelprozent - freut sich jeder Sparer. Zinsportale im Internet vermitteln Angebote im europäischen Ausland. Bequem, einfach und ertragreich lauten die Versprechen. Doch wie so oft gibt es da auch einen Haken.

Frankfurt. Angesichts der derzeit niedrigen Zinsen bei deutschen Banken schielen viele Anleger ins Ausland. Dort gibt es für Festgeld-Anlagen häufig mehr Rendite. Das Problem: Wollen Anleger ein Konto bei einer ausländischen Bank eröffnen, müssen sie in der Regel auch einen Wohnsitz in dem jeweiligen Land haben. Hier kommen Zinsportale ins Spiel. Sie vermitteln Festgeld-Angebote aus dem Ausland - und locken mit attraktiveren Renditen als heimische Banken.

Mehr Rendite, mehr Risiko


Doch Vorsicht: Mehr Rendite bedeutet immer auch mehr Risiko, warnt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Bei den Zinsportalen bezweifeln Verbraucherschützer, ob Sparer bei einer Pleite der ausländischen Bank eine Entschädigung erhalten - jedenfalls könne es zu Verzögerungen kommen.

Die Portale heißen beispielsweise Weltsparen.de, Savedo.de oder Zinspilot.de. Im Prinzip agieren die Plattformen nur als Vermittler für Angebote aus ganz Europa und Geldsammler. "Wir stellen das technische Online-Banking zur Verfügung, sind aber keine Bank und haben auch keine Banklizenz", erläutert Nadja Hirsch von Weltsparen.de in Berlin.

Dort funktioniert das Ganze so: Kunden müssen sich in der Regel auf der Plattform online anmelden. Dann können sie bei einer Partnerbank des Zinsportals ein Verrechnungskonto eröffnen. Dazu müssen sie nur ihre Identität über das Post-Ident-Verfahren nachweisen. Der Sparer kann dann seine Einlage auf das Konto überweisen. Geführt wird dieses Konto jedoch nicht von dem Zinsportal, sondern üblicherweise von der Partnerbank. Endet die vereinbarte Laufzeit für das Festgeld, überweist die ausländische Anlagebank das Geld mit Zinsen auf das Verrechnungskonto. Savedo agiert nach einem ähnlichen Prinzip.

Wie viel Geld ist im Topf?


Zinspilot verfolgt hingegen ein anderes Konzept. Kunden bekommen kein eigenes Konto. Stattdessen verwaltet die Plattform die Einlagen treuhänderisch und transferiert sie zur jeweiligen Anlagebank im Ausland. Dies vereinfache das Anmeldeverfahren, argumentiert Zinspilot. Doch Verbraucherschützer sehen die Plattformen kritisch: Denn die Zinsportale haben überwiegend Angebote von Banken im Programm, die laut Ratings in wirtschaftlich schwächeren Ländern sitzen - darunter Bulgarien, Griechenland, Kroatien, Tschechien, Malta oder Portugal.

Zwar müssen in jedem Land nach den Vorgaben der EU-Einlagensicherung bis zu 100 000 Euro pro Anleger und Institut über einen Sicherungsfonds garantiert sein. "Aber keiner weiß, wie viel Geld wirklich im Topf ist", sagt Nauhauser. Der Finanzexperte befürchtet, dass der Notgroschen der Länder nur kleine Bankpleiten auffangen kann.

An Quellensteuer denken


Außerdem könne man sich als deutscher Sparer nicht darauf verlassen, dass ein ausländischer Staat bei einer Bankenpleite einspringt. Und selbst wenn, dann sei die Frage, ob dieser Staat ein Interesse hat, ausgerechnet ausländische Anleger - also etwa aus Deutschland - als erstes zu entschädigen. Im Fall einer Insolvenz müssten sich Sparer - wenn das betroffene Institut keine Filiale in Deutschland hat - an den auswärtigen Sicherungsfonds wenden.

Investoren bei Weltsparen hatten 2015 bereits Erfahrung mit einer unsicheren Finanz-Situation gemacht. Damals drohte einer bulgarischen Bank die Schieflage. Die Regierung stellte Geld bereit und verhinderte den Zusammenbruch. "Der Entschädigungsfall trat nicht ein", sagt Nadja Hirsch. "Die Bank ist weiter auf unserer Plattform." Auch wenn dieser Fall für die Kunden gut ausgegangen ist, kritisieren Verbraucherschützer neben der Einlagensicherung noch weitere Punkte - darunter die Quellensteuer und Zinszahlungen. Nach Angaben der Zeitschrift "Finanztest" verlangen einige Länder eine Quellensteuer. Diese lasse sich zwar mit einer Bescheinigung des Finanzamtes verringern, aber nicht völlig reduzieren.

Außerdem können Anleger teilweise bei mehrjährigen Festgeld-Angeboten nicht vom Zinseszins profitieren, warnen die Experten der Stiftung Warentest. Das gehe zu Lasten der Rendite.

Unter dem Strich raten Verbraucherschützer, sich im Inland nach günstigen Festgeld-Angeboten umzusehen - etwa von Online-Banken. Denn im Fall des Falles, meint Nauhauser, sei hierzulande Verlass auf den Staat. Schließlich habe er ein Interesse an einem stabilen System und springe notfalls zur Bankenrettung in die Bresche.

Im Ausland mehrFestgeld-Angebote eignen sich für Sparer, die eine sichere Geldanlage suchen. Nur sind die Zinsen, die man derzeit dafür bekommt, nicht besonders hoch. Bei drei Jahren Laufzeit bekommt man bei vielen deutschen Banken derzeit beispielsweise nur 0,01 bis 0,2 Prozent Zinsen, informiert Max Herbst von FMH-Finanzberatung. Im Ausland sieht es da schon besser aus: Bis zu zwei Prozent Zinsen im Jahr erhalten Anleger beispielsweise laut FMH bei einer portugiesischen Bank - ebenfalls für eine Laufzeit von drei Jahren. (dpa)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.