Genehmigungen für Wohnungen auf höchstem Stand seit der Jahrtausendwende
Boom am Bau hält an

Stark steigende Preise in Ballungszentren, Preisverfall auf dem Land: Deutschlands Immobilienmarkt spaltet sich zusehends. Auch wer nicht viel Geld übrig hat, soll aber bessere Chancen auf kostengünstiges Wohnen bekommen. Archivbild: dpa

Wiesbaden/Schrobenhausen. Niedrige Hypothekenzinsen und die Unterbringung von Flüchtlingen treiben weiter den Bauboom in Deutschland an. Von Januar bis Juli sei der Bau von 213 600 Wohnungen genehmigt worden, teilte das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mit. Das waren 26,1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum und der höchste Stand in den ersten sieben Monaten eines Jahres seit 2000. Damals waren 216 000 Wohnungen genehmigt worden. Bereits in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres wurde bei den Baugenehmigungen ein Rekord seit der Jahrtausendwende verzeichnet.

Am stärksten stiegen die Baugenehmigungen für Wohnungen in Wohnheimen (plus 142,0 Prozent), zu denen auch Flüchtlingsunterkünfte zählen. Deutliche Zuwächse gab es ferner bei Mehrfamilienhäusern (plus 26,7 Prozent), Zweifamilienhäusern (plus 15,1 Prozent) und Einfamilienhäusern (plus 7,6 Prozent). Nach Einschätzung von BDI-Vizepräsident Thomas Bauer wird seit dem starken Zuzug von Flüchtlingen im vergangenen Jahr von Städten und Kommunen mehr Geld in die Errichtung bezahlbarer Wohnungen gesteckt. "Es findet vieles statt", sagte Bauer der dpa. Er leitet zugleich den gleichnamigen Tiefbau-Spezialisten. Fast jeder Landkreis habe Projekte, sagte Bauer. Die Einsicht, dass man etwas für kostengünstigeres Wohnen unternehmen müsse, sei deutlich gestiegen.

Noch immer zu wenige


Aber auch wenn sich vieles in die richtige Richtung bewege, fehlten immer noch Wohnungen. Die Schaffung von billigem Wohnraum dauere viel zu lange, und in Deutschland seien viele Menschen auf preisgünstiges Wohnen angewiesen. Eine einfache Wohnung im sozialen Wohnungsbau könne für 1800 Euro pro Quadratmeter errichtet werden. Da sei aber das Grundstück nicht mit eingerechnet.

Auf dem Land könnten Wohnungen sogar inklusive Baugrund für diesen Preis errichtet werden. Dies sei aber nicht in Großstädten möglich. 2016 werden nach Angaben des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie etwa 270 000 Wohnungen in der ganzen Bundesrepublik fertiggestellt. Darunter befinden sich 55 000 Mietwohnungen, von denen 15 000 bis 20 000 auf den sozialen Wohnungsbau entfielen.

Von den gestiegenen Immobilienpreisen können nach Aussage von Bauer nur die wenigsten Baufirmen profitieren. "Die Preise für Immobilien ziehen nicht an, weil die Baupreise steigen." Sie legten zu, weil Grundstücke fehlten und dadurch die Grundstückspreise stiegen. Auch die Regulierung wie etwa Umweltauflagen verteuerten das Bauen. "Die Baufirmen haben mit reinen Bauleistungen nicht mehr Geld verdient." Ein gutes Geschäft machten hingegen die Immobilien-Entwickler. Von den Baufirmen entwickelten aber höchstens fünf Prozent ihre Immobilien selbst. "Das Schlimme ist, dass der Preis, der beim Verbraucher ankommt, massiv ansteigt, den meisten Baufirmen es aber nicht besser geht."
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.