Gericht verurteilt Bodybuilder Horst Wetterau wegen Handels und Besitzes von Dopingmitteln
Bittere Pille für Weltmeister

Für dieses breite Kreuz hat Horst Wetterau über Jahrzehnte hart trainiert. Nun muss der Bodybuilding-Weltmeister von 2014 eine Geldstrafe von 6500 Euro wegen Handels und Besitzes von Dopingmitteln schultern. Bild: Huber

Weiden. (rti) Die Bodybuilding-Szene muss sich seit Jahrzehnten mit Doping-Vorwürfen auseinandersetzten. Für den perfekten Körper überschreiten manche Sportler offenbar die Grenzen des Erlaubten. Am Mittwoch hat das Amtsgericht Weiden den Weltmeister Horst Wetterau wegen Handels und Besitzes von Arzneimitteln verurteilt.

Auch nach dem Urteil bleibt Bodybuilding-Weltmeister Horst Wetterau dabei: "Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Ich bin kein Dopinghändler. Es gibt einfach Leute, die mich nicht leiden können und mir das untergeschoben haben." An ein Komplott glaubt Richter Hubert Windisch aber nicht. Er hat den 44-jährigen Weidener zu 6500 Euro Geldstrafe verurteilt. Der Grund: Handel und Besitz von Dopingmitteln, genauer gesagt von Anabolika.

Monatelange Überwachung

Um Wetterau auf die Schliche zu kommen, haben die Behörden einen großen Aufwand betrieben. Sie überwachten mehrere Monate sein Telefon und durchsuchten seine Wohnung. Ein anonymer Zeuge hatte den Behörden einen Tipp gegeben: Der Weltmeister, der als Gebietsverkaufsleiter eines Herstellers von Nahrungsergänzungsmitteln arbeitet, solle auch mit Dopingmitteln im ostbayerischen Raum handeln.

Ablaufdatum ändert nichts am Besitz

Staatsanwältin Dr. Johanna Müller-Graff von Staatsanwaltschaft 1 aus München wirft Wetterau vor, im Januar 2013 einem Bodybuilding-Kollegen Anabolika-Präparate für 810 Euro verkauft zu haben. Zudem fand der Zoll bei einer Hausdurchsuchung Dopingmittel. "Ich habe bis vor rund zehn Jahren systematisch gedopt, aber seitdem mache ich dies nicht mehr", verteidigt sich der Weltmeister. Die gefundenen Präparate würden aus dieser Zeit stammen.

Er habe die Mittel, die schon alle das Verfallsdatum lange überschritten hätten, in einem Siegerpokal von 2003 aufbewahrt. Richter Windisch klärt den Angeklagten auf, dass auch das Ablaufdatum nichts am Besitz ändere. "Diese Mittel", erklärte der Richter, "sind grundsätzlich zum Doping geeignet."

Konspirative Gespräche

Auf komplettes Unverständnis stößt Wetterau mit seiner Version vom Januar 2013. Das Komplott nimmt ihm der Richter nicht ab. Schließlich hat der Bodybuilding-Kollege bei seiner Zeugenaussage bei der Polizei angegeben, die Mittel vom 44-Jährigen erhalten zu haben. Zudem hat die Polizei bei dem Käufer eine Liste sichergestellt, auf der die Lieferung vermerkt ist. Und dann ist da noch die Telefonüberwachung. Die Staatsanwältin fragt sich, warum die Gespräche so konspirativ geführt wurden.

Anti-Aging-Produkte

"Was hat das eigentlich noch alles mit Sport zu tun", fragt Windisch, nachdem er noch weitere Telefonprotokolle vorgelesen hat. Da redet Wetterau mit verschiedenen Personen beispielsweise über Tamoxifen (Arzneistoff zur Therapie von Brustkrebs) und Clomifen (Arzneistoff zur Auslösung eines Eisprungs). Der Weltmeister gibt an, dass er für diese Medikamente Rezepte von seinem Arzt bekommt. "Das brauche ich. Denn es sind gute Anti-Aging-Produkte. Das ist kein Doping." Offenbar sind die Mittel aber auch in der Bodybuilding-Szene verbreitet.

"Wetterau ist ein Vollprofi, er weiß, was erlaubt ist und was nicht", sagt die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer und fordert eine Geldstrafe von 7500 Euro. Der Richter bleibt mit 6500 Euro nur knapp darunter. Wetterau nimmt das Urteil an. "Ich dope nicht. Ich bin bei der Weltmeisterschaft negativ getestet worden", sagte der 44-Jährige nach der Verhandlung gegenüber unserer Redaktion.
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