Geringe Freude am Tag der Milch

Die Milchviehhalter können keinen kräftigen Schluck nehmen. Denn die preise, die sie für einen Liter Milch erhalten, sind kräftig gesunken. Archivbild: dpa

Beim "Tag der Milch" rührt die Branche kräftig die Werbetrommel. Doch hinter den Kulissen kämpfen viele Landwirte um ihre Existenz. Der Handel setzt sie unter starken Preisdruck, ein Bauernsprecher sieht schon Parallelen zum "Milchkampf" von 2008/2009.

Milchbauern und Molkereien in Deutschland werben am Montag, 1. Juni, wieder mit einem bundesweiten Tag der Milch. Dabei ist das Bild hinter den malerischen Sonnenblumen-Werbeplakaten wenig romantisch: Die Preise sind zuletzt deutlich gefallen, das Hofsterben geht fast ungebremst weiter: Allein von Mai bis November 2014 machten laut Statistischem Bundesamt bundesweit 1200 Milchviehbetriebe zu.

Die Erlöse der Bauern sind nach zwei starken Jahren 2013 und 2014 mit an die 40 Cent pro Liter Milch geradezu abgestürzt, ohne dass schnelle Entlastung in Sicht wäre. Sie lägen bereits bei unter 30 Cent und fielen weiter, sagt der Marktexperte Erhard Richarts vom Informations- und Forschungszentrum der Ernährungswirtschaft.

Druck der Handelsketten

Die Milcherzeuger stehen unter enormem Druck durch die großen Handelsketten. Bei der jüngsten Verhandlungsrunde hätten die Ketten die Frischmilchpreise um rund zehn Prozent gedrückt, klagt der Deutsche Bauernverband. Die Discounter senkten danach Anfang Mai die Preise für Milch, Butter und Sahne teils erheblich - etwa für das 250-Gramm-Paket-Markenbutter von 99 auf 89 Cent und für den Liter Vollmilch von 59 auf 55 Cent. Das freut viele Verbraucher. Aber die Kosten der noch rund 75 000 Milchbauern in Deutschland seien mit diesen Erlösen kaum noch zu decken, kritisiert der Bauernverband. Schließlich erforderten die hohen Qualitätsstandards und ein moderner Tierschutz erhebliche Investitionen.

Den Wegfall der Milchquoten sehen Experten nicht als direkte Ursache für den Preis-Absturz. Anders als in Nachbarländern wie Polen seien die deutschen Produktionsmengen nicht auffällig angestiegen, sagt der Marktanalyst Andreas Gorn von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft. Dennoch herrscht Milch-Überfluss in Deutschland: Schon 2013 produzierte die Branche fast ein Fünftel mehr als für den eigenen Bedarf nötig. Auf einem gesättigten Markt hielten sich die Erzeuger von Milchprodukten wie Butter, Käse oder Milchpulver mit ihren Bestellungen bei den Molkereien derzeit zurück, weil sie auf noch weiter fallende Preise spekulierten, sagt Gorn.

Wie 2008/2009

Drei Cent pro Liter bleibe den Milchbauern im bundesweiten Schnitt derzeit noch an Erlös, rechnet Hans Foldenauer vom Bundesverband deutscher Milchviehhalter vor: für Arbeitslohn, Kapitaldienst, Erhalt der Gebäude, Investitionen und den notwendigen Betriebsgewinn viel zu wenig. Die Situation ähnele dem Milchpreiskampf von 2008/2009, als Bauern europaweit mit verschiedenen Aktionen gegen den massiven Preisdruck des Handels demonstriert hatten. Zum Tag der Milch wollen die Bauern mit Aktionen wie Mahnfeuern auf ihre Misere aufmerksam machen. Das Sterben der Höfe dürfte sich angesichts der schlechten Erlöse beschleunigen, erwarten Experten.
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