Gewinne versiegen

Trotz einbrechender Ölpreise kürzt die Opec ihr derzeitiges Förderziel nicht. Verbraucher können sich freuen: Die Preise für Benzin und Heizöl dürften noch weiter sinken.

Tanken und Heizen werden wohl auf absehbare Zeit günstig bleiben. Auf dem Treffen der zwölf Opec-Staaten in Wien konnten sich die Ölförderländer trotz des jüngstens Preisverfalls nicht auf eine Kürzung ihrer Produktion einigen. "Wir wollen abwarten, wie sich der Markt entwickelt", erklärte der Generalsekretär der Organisation erdölexportierender Länder (Opec), Abdalla El-Badri, am Donnerstag.

Die Opec will ihr bisheriges Förderziel von 30 Millionen Barrel am Tag beibehalten, wie El-Badri mitteilte. Die Reaktion am Ölmarkt kam prompt: Die Preise für Rohöl rutschten auf den tiefsten Stand seit mehr als vier Jahren. US-Rohöl kostete erstmals seit Juni 2010 weniger als 70 Dollar je Fass (159 Liter). Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete zeitweise unter 75 Dollar. Das ist der tiefste Stand seit September 2010.

Gegen Förderkürzungen

Schon vor der Konferenz kamen die Preise weiter ins Rutschen, nachdem der mächtigste Opec-Staat Saudi-Arabien sich gegen eine Förderkürzung aussprach. Auf der Tagung zeigte sich das Kartell tief gespalten. Vor allem das stark von Öleinnahmen abhängige Venezuela hatte sich für Kürzungen ausgesprochen, um den Preisverfall zu stoppen. "Wir brauchen einen Preis der für jeden gut ist", sagte Außenminister Rafael Ramirez. Am Ende setzten sich jedoch die einflussreichen Golfstaaten durch. Das derzeitige Opec-Förderziel wird seit längerem deutlich überschritten. Mit dem Schieferöl-Boom in den USA und der konjunkturbedingt schwachen Nachfrage war ein deutliches Überangebot am Markt entstanden. Seit Juni fielen die Preise. "Wir haben keinen Zielpreis", erklärte El-Badri. Das Ölkartell liefert ein Drittel des weltweiten Erdöls und besitzt drei Viertel der Reserven.

Heizöl derzeit günstig

Die fallenden Ölpreise machen das Heizöl in Deutschland so günstig wie lange nicht. Messtechnik-Hersteller Tecson ermittelte einen Durchschnittspreis von 69,20 Euro. Auch die Kraftstoffpreise sind niedrig. Wie schwer der Preisverfall die Ölförderer trifft, zeigt Russland. "90 Milliarden bis 100 Milliarden Dollar verlieren wir, weil der Ölpreis um 30 Prozent gefallen ist", sagte kürzlich Russlands Finanzminister Anton Siluanow.
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