Gibt es noch eine Chance für Kaiser´s Tengelmann?
Jetzt macht sich Angst breit

Nach dem Abbruch der Gespräche über die Supermarktkette Kaiser's Tengelmann kann die Zerschlagung des Unternehmens rasch anlaufen. Die Liste der zunächst zur "Verwertung" anstehenden Filialen werde voraussichtlich in der kommenden Woche an die Interessenten verschickt, damit diese ihre Gebote vorlegen könnten, sagte eine Tengelmann-Sprecherin am Freitag. Bild: dpa

Nach dem Schock durch den überraschenden Abbruch der Gespräche zu Kaiser's Tengelmann wird hinter den Kulissen bereits wieder an einem allerletzten Rettungsversuch gearbeitet. Doch die Chancen sind mehr als ungewiss.

Mülheim/Köln. Auch nach dem Abbruch der Gespräche zu einer Lösung für die angeschlagene Supermarktkette Kaiser's Tengelmann gibt es noch Hoffnung auf eine Rückkehr an den Verhandlungstisch. "Wir gehen noch nicht davon aus, dass die Gespräche zu Ende sind", sagte eine Verdi-Sprecherin am Freitag in Berlin. Derzeit liefen noch Kontakte zwischen der Gewerkschaft und den Beteiligten. Auch die Gewerkschaft NGG appellierte an die Beteiligten, "nichts unversucht zu lassen". "Es darf und kann nicht sein, dass dies auf den letzten Metern an persönlichen Eitelkeiten und an Kompromissunfähigkeit scheitert", sagte NGG-Vizechef Claus-Harald Güster der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Tengelmann-Eigentümer Karl-Erivan Haub räumte nach Informationen des WDR in einem Brief an die Mitarbeiter eine letzte Chance für die Suche nach einer Lösung ein. "Ich habe deshalb noch einmal an Rewe, Markant und Norma appelliert, das Wohl von 16 000 Menschen und ihrer Angehörigen über ihre wirtschaftlichen Interessen zu stellen und den Weg frei zu machen für die Übernahme durch Edeka", zitierte der Sender aus dem Schreiben.

Bis zur Umsetzung der ersten Verwertungsmaßnahme gebe es noch ein "kleines Zeitfenster" für die Suche nach einer Lösung, so Haub. Der Tengelmann-Chef hatte zuvor angekündigt, mit der Zerschlagung bereits in der kommenden Woche beginnen zu wollen.

Der Betriebsratsvorsitzende der Kaiser's-Tengelmann-Region Nordrhein, Rainer Schroers, berichtete von einer "maßlosen Enttäuschung und Verärgerung" unter den Mitarbeitern. "Jetzt macht sich auch zusätzlich noch Angst breit", sagte er. Der Berliner Betriebsratschef Volker Bohne bezeichnete die aktuelle Stimmung als "unterirdisch".
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