Glas macht die Biege

Ein Schott-Mitarbeiter zeigt eine biegsame, ultradünne Glasscheibe. Der Mainzer Spezialglas-Hersteller treibt die Entwicklung von Glas voran, das dünner ist als ein menschliches Haar. Bild: dpa

Das Traditionsunternehmen Schott bricht mit den herkömmlichen Vorstellungen von Glas. Seine ultradünne Neuentwicklung macht Daten Tempo und öffnet so der Firma den Zugang zur IT-Branche.

Ein Laser sticht winzige Löcher in eine dünne Glasscheibe. Stolz zeigt ein Mitarbeiter den Besuchern das Ergebnis - die kleine Glasscheibe steht bei der Schott AG in Mainz für eine Technik, mit der sich das 131 Jahre alte Unternehmen, das auch einen Standort in Mitterteich (Kreis Tirschenreuth) hat, neu erfinden will.

Durch die Löcher im Glas können Leitungen geführt werden, die elektronische Bauteile wie Prozessoren oder Datenspeicher miteinander verbinden. "Je kürzer die Leiterbahn, desto geringer der Energieverlust und desto länger die Batterielaufzeit etwa bei einem Smartphone", erklärt Projektleiter Rüdiger Sprengard. Auch die Geschwindigkeit bei der Übertragung von Daten kann so gesteigert werden.

Kurze Leitung

Beim Einsatz von Glas anstelle von Silizium könne das Tempo beim Datentransfer von Prozessoren aufgrund der höheren elektronischen Isolation im Vergleich zum bisherigen Stand der Technik verachtfacht werden, sagt Sprengard. Eine zehnmal so hohe Geschwindigkeit sei beim Datentransfer von Speicherbausteinen möglich. Der eigentlich sehr spröde Werkstoff Glas kann durch chemische Eingriffe sowie spezielle Schneid- und Produktionstechniken extrem dünn und biegsam gemacht werden. Die Scheiben sind dann nur noch 50 Mikrometer dick - das entspricht etwa einem menschlichen Haar. Es werde aber bereits an der Entwicklung von Dünnstgläsern mit zehn Mikrometern gearbeitet, erzählt Schott-Forschungsvorstand Hans-Joachim Konz.

Platz auf engstem Raum

Schott nahm die Entwicklung der Technik vor ungefähr fünf Jahren auf. Seit 2014 ist das Unternehmen dabei, mit Kunden spezifische Lösungen zu entwickeln und in die Markterschließung einzusteigen. In ersten Produkten ist Ultradünnglas bereits eingebaut - etwa in Smartphone-Kameras.

Beim Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikro-Integration (IZM) in Berlin sagt der Forscher Michael Töpper, Glas biete herausragende Isolationseigenschaften. Damit sei der Werkstoff "eine wichtige Grundlage für den Industrietrend der Integration mehrerer elektronischer Bauelemente in ein Package". Solche Packages sind vor allem für Smartphones wichtig, da sie die Miniaturisierung der Geräte weiter vorantreiben können. In Modellen wie dem I-Phone 6 oder dem Samsung Galaxy S6 befinden sich nach Angaben Töppers bereits 60 bis 70 Chip-Packages, darunter für Subsysteme wie Mikrofon, Kamera, Lautsprecher oder Display.
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