Gleichstromtrasse Süd-Ost in der Oberpfalz eventuell vom Tisch
Stromtrasse bekommt Verlängerungskabel

Die überarbeitete Version des Netzentwicklungsplans sieht eine Trasse D vor, die die Gleichstrompassage Süd-Ost nach Norden verlängert. Die bisherige Trasse ist damit wohl vom Tisch. Grafik: NT/AZ

Ohne neue Supertrassen platzt der Traum von der Ökostrom-Republik, meinen die Stromnetz-Betreiber. Ihre neuen Entwürfe sehen deshalb nur Änderungen in Routenverläufen vor. Die Trasse durch die Oberpfalz könnte aber vom Tisch sein.

(dpa/we/räd) Die vier für den Ausbau zuständigen Netzbetreiber Tennet, Amprion, 50Hertz und TransnetBW halten in ihren am Dienstag vorgestellten neuen Plänen insgesamt an ihren drei Trassen fest. Es sind aber sieben größere Korrekturen geplant.

So soll die bisherige Gleichstromtrasse Süd-Ost als Korridor D um 110 Kilometer Richtung Norden verlängert werden und in Wolmirstedt bei Magdeburg, später in Güstrow beginnen, um mehr Windstrom nach Bayern transportieren zu können. Endpunkt soll nicht mehr in Meitingen, sondern 30 Kilometer weiter westlich beim AKW Gundremmingen sein. Festgelegt haben sich die Betreiber aber nur auf einen Korridor zwischen Start- und Zielpunkt. Die Entwürfe lassen aber darauf schließen, dass Ostbayern kaum noch tangiert wird.

Die Netzbetreiber scheinen damit Protesten Rechnung zu tragen, dass vor allem Braunkohlestrom über die Trasse nach Bayern gelangen könnte - bisher sollte sie in Bad Lauchstädt starten. Nun ließe sich Windstrom aus Mecklenburg-Vorpommern nach Süddeutschland transportieren - und bei Bedarf auch Solarstrom in die umgekehrte Richtung.

Alois Karl freut sich

Zufrieden zeigte sich deshalb der Neumarkter Bundestagsabgeordnete Alois Karl (CSU). Die neuen Pläne bedeuteten für die Oberpfalz "eine Entlastung zu fast 100 Prozent". Der geänderte Entwurf sieht nach seinen Informationen eine Trasse entlang der A 9 vor. Damit wäre der Bezirk nur nördlich von Auerbach (Kreis Amberg-Sulzbach) tangiert. Zudem würden Streckenteile erdverkabelt.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) bleibt aber hart und warnt vor einer Kostenexplosion. Wenn neue Leitungen in großem Umfang unter die Erde gelegt werden müssten, drohten Belastungen von weit über 20 Milliarden Euro für die Stromkunden. Der CSU-Vorsitzende mahnte in Berlin eine "saubere Systemanalyse" für die Netze an. Er schlug zudem vor, von dem bis nach Baden-Württemberg verlaufenden SuedLink einen Abzweig nach Gundremmingen zu machen. Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger kritisierte, Bayern sei von der neuen Trassenplanung noch stärker betroffen.

Gabriel fordert Tempo

Angesichts des Streits mahnte Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) einen raschen Ausbau an. Er beklagte sich über "irre Zustände", weil der im Norden im Überfluss produzierte Windstrom nicht in den Süden mit seinem hohen Energiebedarf komme - so dass dort teilweise Strom aus dem Ausland eingekauft werden müsse. In den nächsten zehn Jahren sollen insgesamt 2800 Kilometer an neuen Höchstspannungsleitungen gebaut werden. (Seite 8)
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