Golfanlage in Königstein ist Pleite
Viel Grün, aber wenig Bargeld

Ein idyllischer Ort ist die Königsteiner Golfanlage mit ihrem Clubhaus – insolvenzbedingt nur leider zur Zeit ohne Spieler. Bild: Gebhardt

Königstein/Sulzbach-Rosenberg. (ge) Bei der Internet-Suche nach den Stichwörtern "Golfplatz" und "Pleite" - stellt sich die Erkenntnis ein: Es gibt wohl seit Jahren eine Welle von derartigen Fällen in Deutschland. Der Insolvenzverwalter schildert im regionalen Fall Königstein die Lage als "verzwickt". Wo liegen die Gründe für das Scheitern?

Seit Mitte September schwebte der "Damokles-Schläger" über der Golf-Anlage bei Namsreuth. Zu diesem Zeitpunkt nämlich stellte der damalige Geschäftsführer Hans Melchner den Insolvenzantrag. Das Gericht beauftragte Rechtsanwalt Dr. Jochen Zaremba von der Kanzlei Schwartz mit der vorläufigen Insolvenzverwaltung.

Zu hohe Kosten

Sein Auftrag: Klärung der Situation. Dr. Zaremba erarbeitete ein Gutachten über die wirtschaftliche und finanzielle Lage. Fazit: Die Kosten sind zu hoch für die Umsätze. Das Gericht eröffnete zum 1. November das Verfahren und setzte den Anwalt als endgültigen Insolvenzverwalter ein.

Die erste Amtshandlung des neuen Verantwortlichen hatte schon einige Tragweite: Er stellte zum 1. November den Spielbetrieb auf der Anlage komplett ein. Der Hauptgrund liegt wohl im Mangel an Bargeld. "Wir können den Versicherungsschutz nicht mehr bezahlen, die Pflege und Erhaltung nicht mehr finanzieren!"

Wie kann ein Golfclub in eine solche Lage geraten? "Das kam nicht von heute auf morgen", ist sich der Experte sicher. Bei einer solchen Anlage laufen große Kosten auf für die Instandhaltung und stete Pflege des Platzes. Dazu kommen Personalkosten, Pacht an die Grundstücksbesitzer, Unterhalt für die Immobilien, Rechnungen der Versorger und einiges mehr. Das alles habe sich aufgestaut "zu einer deutlichen sechsstelligen Summe".

Einlagen sind weg

Dieser stehe nur ein relativ geringer Bargeldbetrag gegenüber. "Der Schutz des vorgefundenen geringen Vermögens erlaubt keine Fortführung ohne neuen Investor!" Daraus könne sich eine kleine Quote an Forderungsausgleich gegenüber den Gläubigern ergeben, meint der Anwalt - wenn man es optimistisch betrachte. Zu den Hauptgläubigern zähle natürlich auch eine Bank. Die Einlagen der 60 Kommanditisten, hauptsächlich getätigt bei der Gründung 1990, seien somit vermutlich verloren.

Was ist nun an Vermögen eigentlich noch da? Den Hauptwert verkörpert wohl das Clublokal "Zum Kapellberg", dessen Unter- und Erdgeschoß (mit Lokal und Büros) zur Anlage gehören. Die Grundstücke, auf denen gespielt wird, sind natürlich im Eigentum der Landwirte, die als Verpächter noch einige Forderungen offen haben.

Der "GLC" nicht beteiligt

"Die rechtliche Lage ist sehr verzwickt", schildert der Insolvenzverwalter die Konstruktion des Objektes: Betrieben wurde die Anlage von der Königsteiner Golfanlagen GmbH & CoKG sowie dem Golfclub Königstein-Namsreuth mit "fließenden Grenzen".

Nicht beteiligt, aber betroffen sei der Golf- und Landclub (GLC) Königstein mit Präsident Klaus Wagner. Das hob Dr. Zaremba ausdrücklich hervor. Der Club habe schon viel Unterstützung geleistet, sei aber finanziell wohl nicht in der Lage, die Anlage selbst zu übernehmen. Ihm fehle jetzt die Spielmöglichkeit.

"Austrittswelle schadet"

Hier bricht der Insolvenzanwalt eine Lanze für die Anlage: "Es wäre sehr kontraproduktiv in der jetzigen Situation, wenn die Golfer dem Club den Rücken kehren würden. Gerade jetzt, wo die Suche nach einem Investor läuft, macht es einen denkbar schlechten Eindruck, wenn eine Austrittswelle entsteht. So ein Projekt ist wahrlich kein Selbstläufer!", mahnt der Experte.

Nach wie vor ist er auf der Suche nach einem Nachfolgemodell, damit der landschaftlich attraktive Platz für den Spielbetrieb erhalten bleiben kann. "Es wäre schade drum!"
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.