Griechenland hält Geldgeber hin - Balkan-Staaten schirmen sich gegen Pleite ab
"Es gibt nichts Neues"

In Griechenland heben immer mehr Bürger Geld von ihren Konten ab. Archivbild: dpa
Im Griechenland-Drama haben sich die Fronten weiter verhärtet. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) rechnet nicht mit einer raschen Einigung über Finanzhilfen für das vom Staatsbankrott bedrohte Athen. Beim Treffen der Euro-Gruppe Ende kommender Woche in Riga sei keine Lösung zu erwarten, sagte er am Freitag zu Beginn der Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank in Washington. "Es gibt nichts Neues. Und ich bin nicht sicher, dass wir kommende Woche in Riga schon was Neues haben."

Der griechische Finanzminister Gianis Varoufakis warb am Rande des Wirtschaftsgipfels um Verständnis für seine Position. Bei einer Veranstaltung im Weißen Haus traf er auch US-Präsident Barack Obama. Varoufakis habe den Staatschef gebeten, weiter Druck auf die Europäer zu machen, eine Verhandlungslösung zu suchen, so Beobachter. Am Vortag hatte Varoufakis Forderungen der internationalen Geldgeber nach weiteren Sparmaßnahmen abgelehnt. Die bisherigen Hilfen für Griechenland belaufen sich auf 240 Milliarden Euro. Um eine Pleite abzuwenden, muss Athen am 12. Mai knapp 770 Millionen Euro an den IWF zurückzahlen. Zudem muss Athen am 8. und am 15. Mai jeweils 1,4 Milliarden Euro an Papieren refinanzieren.

Die Griechen ziehen derweil immer mehr Geld von ihren Konten ab. Bis Ende März schrumpften die Geldeinlagen auf rund 135 Milliarden Euro von mehr als 160 Milliarden Euro im Dezember. Die griechischen Banken sind wegen der starken Mittelabflüsse auf Notkredite von der Zentralbank des pleitebedrohten Landes angewiesen, die von der EZB bewilligt werden müssen. Die Staaten Südeuropas wappnen sich gegen einen möglichen finanziellen Zusammenbruch Griechenlands. Die Zentralbanken Bulgariens, Albaniens, Rumäniens, Serbiens, Zyperns und Mazedoniens sowie der Türkei hätten die Tochterbanken griechischer Kreditinstitute in ihren Ländern aufgefordert, griechische staatliche Wertpapiere, Anleihen und Kredite "loszuwerden". Damit würden die griechischen Mutterkonzerne der Banken praktisch unter Quarantäne gestellt, berichtete die Athener konservative Zeitung "Kathimerini" am Freitag. Die systemrelevanten griechischen Banken (National Bank, Alpha Bank, Piraeus Bank und Eurobank) haben eine starke Präsenz in diesen Staaten.
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