Größte genossenschaftliche Bank

Sie schätzen und verstehen sich bestens: die Vorstände Andreas Reindl und Dieter Paintner (Amberg) sowie die Weidener Gerhard Ludwig und Rudolf Winter (von links). Bild: Petra Hartl

"Die Chemie muss stimmen. Wir kennen uns sehr tief." Gerhard Ludwig, Direktor der Volksbank Nordoberpfalz, lüftete am Montag eines der bestgehüteten Geheimnisse: die Verschmelzung mit der VR-Bank Amberg.

Weiden/Amberg. Die Bereichsleiter der Volksbank machten ebenso "überraschte Gesichter" wie die leitenden Mitarbeiter der VR-Bank Amberg. Die Initiative zur Fusion war von Amberg ausgegangen.

Bei einem gemeinsamen Presse-gespräch berichtete Ludwig von "besten, langjährigen Verbindungen" zur VR-Bank Amberg. "Es wird eine neue Bank entstehen. 1 und 1 ergibt hier mehr als 2", erhofft sich Ludwig starke Synergieeffekte. Die Amberger Vorstände Dieter Paintner und Andreas Reindl bestätigen die "vertrauensvollen Beziehungen" zu den Weidener Vorstandskollegen und setzen auf eine "Bündelung der Kräfte".

Die neue VR-Bank Amberg Weiden würde mit einer Bilanzsumme von knapp 1,7 Milliarden Euro auf Platz 2 der 31 genossenschaftlichen Banken in der Oberpfalz rangieren, hinter der kirchlichen LIGA Bank Regensburg (4,8 Milliarden Euro), die jedoch eine Sonderstellung einnimmt. Die Amberg-Weidener-Allianz wäre dann die "größte regional tätige Genossenschaftsbank in der Oberpfalz" (Paintner). Sie würde auch klar vor der Sparkasse Oberpfalz Nord (1,4 Milliarden Euro) und den Vereinigten Sparkassen Neustadt/WN (1,3 Milliarden Euro) liegen, aber immer noch deutlich unter der Sparkasse Amberg-Sulzbach (2 Milliarden Euro) und der Sparkasse im Landkreis Schwandorf (1,9 Milliarden Euro).

Die Volksbank Nordoberpfalz erzielte 2014 einen operativen Gewinn (Gesamtbetriebsergebnis) von 10,3 Millionen Euro vor Steuern, die VR-Bank Amberg 5,9 Millionen Euro. Die Weidener weisen ein Eigenkapital von 96 Millionen Euro aus, die Amberger von rund 65 Millionen Euro: Die neue Bank könnte damit auf eine solide, komfortable Eigenmittelquote in dreistelliger Millionenhöhe zurückgreifen.

Die Vorstände wollen in den nächsten Monaten Überzeugungsarbeit im Detail leisten und die Fusion "sauber vorbereiten". Gerhard Ludwig ist zuversichtlich, bei den Vertreterversammlungen die notwendige Zustimmung von "75 Prozent plus 1 Stimme" zu erreichen: "Es soll so eine Basis gelegt werden, damit die Zukunft für den regionalen Mittelstand erfolgreich gestaltet werden kann." Die Verschmelzung erhöhe die unternehmerischen und geschäftlichen Wirkungsmöglichkeiten deutlich.

Trend zur Größe

Vor allem die Amberger Vorstände machen kein Hehl daraus, dass es durch die zunehmende Digitalisierung, den staatlichen Regulierungsdruck und die geringe Zinsspanne zu enormen Herausforderungen komme. Vorstand Andreas Reindl: "Wir möchten jetzt - in eigener Verantwortung - die Entscheidung für eine Verschmelzung selber treffen." Rudolf Winter, Vorstand der Volksbank Nordoberpfalz, macht humorvoll darauf aufmerksam, "dass Amberg-Weiden nichts Neues ist" - Beispiele OTH oder "Der neue Tag"/"Amberger Zeitung". In Bayern gibt es noch eine relativ starke Dichte von selbstständigen genossenschaftlichen Banken. Der Trend zur Größe, so die einhellige Prognose, werde zunehmen.
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