Größter bisheriger Anlegerschutzprozess
Telekom in Beweisnot

Mit dem dritten Börsengang hatte die Deutsche Telekom damals die Zahl ihrer Privatanleger in etwa verdoppelt. Im Bild (von links) der damalige Chef der Deutschen Telekom, Ron Sommer, Christian Lammersdorf vom Vorstand der Deutsche Börse und Hans Reich, damaliger Vorstandsprecher der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Archivbild: dpa

Frankfurt. In einem der größten deutschen Anlegerschutzprozesse ist die beklagte Deutsche Telekom in arge Beweisnot geraten. Das Oberlandesgericht Frankfurt verlangte den vollständigen Nachweis, dass ein bereits vom Bundesgerichtshof beanstandeter Prospektfehler keinen Einfluss auf den Kursverlauf der T-Aktie gehabt hat. Auch in anderen Fragen ließ der Senat eine kritische Haltung erkennen.

Seit Donnerstag wird beim OLG erneut anhand einer Musterklage darüber verhandelt, ob rund 16 000 Kläger Anspruch auf Rückerstattung des Aktien-Kaufpreises in einer Gesamthöhe von knapp 80 Millionen Euro haben. Es geht um den sogenannten dritten Börsengang der Telekom aus dem Jahr 2000, bei dem Anteile aus dem Bestand der staatseigenen KfW zum Frühbucherpreis von 63,50 Euro verkauft wurden.

Der Prozess war notwendig geworden, weil der BGH den früheren OLG-Beschluss in einem wichtigen Punkt aufgehoben hat. Nach Auffassung der Bundesrichter enthielt der Börsenprospekt der Telekom einen "schwerwiegenden Fehler" zur US-Beteiligung Sprint. Mehr noch: In seiner Urteilsbegründung hielt der BGH der Telekom vor, die Besitzverhältnisse an dem US-Mobilfunker bewusst verschleiert zu haben.

Der OLG-Senat will am 30. November eine Entscheidung verkünden, die aber kein endgültiger Beschluss sein muss. Die Vorsitzende Richterin Birgitta Schier-Ammann hatte die Erwartungen gedämpft. Man müsse kein Hellseher sein um zu wissen, dass die Sache erneut beim Bundesgerichtshof landen werde. Die Telekom lehnt jede Zahlung ab.

Klägeranwalt Andreas Tilp warf dem Unternehmen ein zynisches Spiel auf Zeit vor. "Die Leute sterben weg. Es wird hier auf eine biologische Lösung gewartet", sagte er. Während der langen Verfahrensdauer ist der Musterkläger, ein Rentner aus Schwaben, in diesem Jahr gestorben.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.