Große Erwartungen an Stuttgarter Autobauer
Daimler will Rekordniveau halten

Die Erwartungen sind riesig nach dem erfolgreichen Geschäftsjahr. Daimler-Chef Dieter Zetsche warnt aber vor einem zunehmend unsicheren Automarkt vor allem in China und den Vereinigten Staaten. Bild: dpa

Die Unsicherheit nimmt zu im Autogeschäft: China galt als sichere Bank, bis das Wachstum sich 2015 abschwächte. Und nach wie vor ist unklar, welche Auswirkungen der VW-Skandal auf Dieselverkäufe haben wird. Das sieht man so auch bei Daimler.

Stuttgart. Der schwächelnde chinesische Automarkt und die Aussicht auf ein eher maues US-Geschäft lassen Daimler vorsichtiger werden. Der Autokonzern rechnet nach dem Rekordjahr 2015 mit einem etwas schwächeren Wachstum. "Alles deutet darauf hin, dass 2016 ein weiteres gutes Jahr für Daimler wird", sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche. Dazu soll auch der Verkaufsstart der neuen E-Klasse im April beitragen. Die Aktie fiel nach dem verhaltenen Ausblick allerdings um mehr als vier Prozent.

Keine Effekte durch Skandal


Eine weitere Unsicherheit kommt hinzu: Nach wie vor ist unklar, wie die Diskussion um Abgaswerte bei Dieselfahrzeugen nach Bekanntwerden des VW-Skandals sich auch auf Daimler auswirken wird. "Wir haben bisher keine Effekte sehen können und sehen auch keine für die Zukunft", sagte Zetsche. Nach langem Streit hatte das EU-Parlament sich am Mittwoch auf realistischere Abgastests für Dieselfahrzeuge ab 2017 geeinigt, mit denen auch die Autobauer leben können.

Die Autokonzerne stehen unter Beobachtung: Nachdem bereits das Kraftfahrt-Bundesamt Nachmessungen angestellt hatte, musste Daimler vergangene Woche auch französischen Behörden wegen hoher Abgaswerte bei Tests im Realbetrieb Rede und Antwort stehen. Umweltorganisationen wie die Deutsche Umwelthilfe sparen nicht an Kritik über angeblich falsch ausgewiesene Abgaswerte. Daimler betont aber, sich an die geltenden Gesetze zu halten.

Im vergangenen Jahr waren die Stuttgarter trotz des Diesel-Skandals und der Schwäche des chinesischen Marktes ihrem Ziel, die Rivalen Audi und BMW bei Absatz, Umsatz und Ergebnis zu überrunden, näher gekommen. Der Rekordabsatz von knapp zwei Millionen verkauften Autos und ein leichtes Plus im Lkw-Geschäft verhalfen Daimler zu einem Umsatzplus von 15 Prozent auf 149,5 Milliarden Euro. Unterm Strich verdiente der Autokonzern auch dank Sparbemühungen 8,6 Milliarden Euro - fast ein Viertel mehr als im Vorjahr. In diesem Jahr rechnet Daimler nur noch mit einem leichten Plus bei Umsatz und operativem Gewinn. Ein Grund: Daimler wird für Werbung für die neue E-Klasse viel Geld in die Hand nehmen müssen.

Erneut deutliches Plus


Das boomende Pkw-Geschäft, mit dem Daimler mehr als die Hälfte seiner Umsätze macht, hatte zu dem Wachstum beigetragen. Mit einer operativen Rendite von zehn Prozent im laufenden Geschäft übertraf die Pkw-Sparte Daimlers langfristiges Ziel von neun Prozent. Dieser Wert gibt an, welchen Anteil Daimler von seinem Umsatz als operativen Gewinn übrig behält. "Wir streben an, das erreichte Niveau zu halten", sagte Zetsche. Auch 2016 erwartet der Autobauer weltweit ein deutliches Absatzplus - obwohl der wichtige US-Markt wenig wachsen dürfte.

Die Daimler-Mitarbeiter können sich nach dem Erfolgsjahr 2015 aber zunächst einmal auf mehr Geld freuen. Die Ergebnisbeteiligung fällt mit 5650 Euro deutlich höher aus als im vergangenen Jahr. Allerdings erhalten die Ergebnisbeteiligung nur gut 125 000 nach Tarifvertrag Beschäftigte in Deutschland. Weltweit arbeiten für den Autobauer 284 000 Menschen - etwa 170 000 in Deutschland.
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