Günstig Tanken und Heizen
Kein Ende der Mini-Inflation in Sicht

Die niedrigen Ölpreise haben die Inflation in Deutschland im vergangenen Jahr auf das Niveau des Krisenjahres 2009 gedrückt. Experten sind sicher: Im laufenden Jahr dürften sich die Verbraucherpreise nur langsam aus dem Keller bewegen.

Frankfurt. An der Mini-Inflation dürfte sich nur allmählich etwas ändern. Konsumenten wie Verbraucher profitieren somit zunächst weiterhin von niedrigen Energiepreisen. Doch Währungshüter betrachten die Entwicklung mit Sorge. Fragen und Antworten zum Thema:

Warum ist die Inflation so niedrig?

Hauptgrund ist das Absacken der Ölpreise. Der Schmierstoff der Weltwirtschaft wurde 2015 nochmals günstiger - unter anderem weil Öl-Mächte wie Saudi-Arabien den Markt weiterhin mit dem Rohstoff fluteten und die USA die eigene Produktion über Fracking kräftig hochfuhren. Kurz vor Weihnachten beispielsweise war Öl aus der Nordsee zwischenzeitlich so billig wie seit 2004 nicht mehr. Weil Energie - also Kraftstoffe und Heizöl, aber auch Gas und Strom - mit fast elf Prozent in die Berechnung der Teuerungsrate einfließen, dämpfen solche Entwicklungen den Preisauftrieb insgesamt.

Wer profitiert von niedrigen Preisen?

Autofahrer sparen beim Tanken, Verbraucher beim Heizen ihrer Häuser und Wohnungen. Das gibt Verbrauchern mehr Spielraum, Geld für andere Dinge auszugeben. Die Kaufkraft steigt auch, weil Lohnerhöhungen wegen der Mini-Inflation fast vollständig im Geldbeutel der Beschäftigten bleiben. Im Schnitt lagen die Reallöhne in den ersten drei Quartalen 2015 um gut 2,5 Prozent über Vorjahresniveau, wie das Statistische Bundesamt errechnet hat. Auch die Industrie profitiert. "Für die ölimportierenden Länder ist der strukturell niedrige Ölpreis ein deutlicher Wettbewerbsvorteil", bilanziert die Helaba.

Warum machen sich Währungshüter Sorgen?

Wenn die Preise für viele Waren und Dienstleistungen über einen längeren Zeitraum kaum noch oder gar nicht mehr steigen, könnten das Verbraucher und Unternehmer bei Investitionen bremsen. Denn es könnte ja bald noch billiger werden. Dies könnte die Konjunktur abwürgen. Um gegenzusteuern, flutet die Europäische Zentralbank (EZB) die Märkte mit billigem Geld. Der Leitzins verharrt knapp über Null, seit März pumpt die Notenbank zudem monatlich 60 Milliarden Euro in den Kauf von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren.

Was soll die Geldflut bringen?

Das Kalkül der Mehrheit im EZB-Rat um Notenbank-Präsident Mario Draghi: Das billige Geld kommt über Banken in Form von Krediten bei Verbrauchern und Unternehmen an und schiebt so Konjunktur und Preisauftrieb an. Die EZB strebt mittelfristig eine Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent an. Dieser Wert ist aus Sicht der Währungshüter weit genug von der Nulllinie entfernt - und baut der Gefahr einer Deflation vor, also einem Preisverfall über einen längeren Zeitraum.

Wie werden sich die Preise 2016 entwickeln?

Die Inflation sowohl in Deutschland als auch im Euro-Raum dürfte nach Einschätzung von Volkswirten allmählich anziehen, allerdings weiterhin deutlich vom Zwei-Prozent-Ziel der EZB entfernt bleiben. Die Bundesbank rechnet für 2016 mit einem stärkeren Preisauftrieb in Deutschland unter anderem deshalb, "weil die Rohölnotierungen ihre inflationsdämpfende Wirkung nach und nach verlieren dürften". Auch die EZB rechnet trotz ihrer massiven Geldschwemme nur mit einem langsamen Anstieg der Verbraucherpreise. 2016 sieht die EZB die Inflationsrate im Euro-Raum bei 1,0 Prozent, 2017 dann bei 1,6 Prozent.
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