Gute Zahlen, dickes Auftragspolster
Siemens optimistisch

"Der jahrelange Wachstumsverfall ist gestoppt." Zitat: Siemens-Chef Joe Kaeser
 
In Schottland und vor der mecklenburgischen Ostseeküste soll Siemens Windparks errichten. Bild: dpa

Jahrelang war Siemens in seinen Zwischenberichten für eine negative Überraschung gut, weil Großprojekte floppten. Das hat sich geändert. Der Lohn sind gute Zahlen und ein enormes Auftragspolster.

München. Nach einem starken dritten Geschäftsquartal hat Siemens seine Gewinnprognose für das laufende Jahr angehoben. Der Konzern steigerte Umsatz und Betriebsergebnis deutlich und erreichte auch aufgrund von Großaufträgen für Kraftwerke und Windparks den höchsten Auftragsbestand in der Unternehmensgeschichte.

In einem schwierigen Marktumfeld habe Siemens vor allem im Vergleich mit den Wettbewerbern überzeugt, sagte Vorstandschef Joe Kaeser am Donnerstag in München. "Der jahrelange Wachstumsverfall ist gestoppt." Das operative Geschäft lief glänzend: Das Betriebsergebnis des Industriegeschäfts legte um 20 Prozent zu. Nur wegen höherer Steuern und Zinslasten ging der auf die Aktionäre entfallende Konzerngewinn von 1,36 Milliarden auf 1,33 Milliarden Euro zurück. Für das im September endende Geschäftsjahr peilt Siemens nun einen leichten Umsatzzuwachs und einen Nettogewinn von 5,5 bis 5,7 Milliarden Euro an, nach 7,4 Milliarden Euro im Vorjahr.

Medizintechnik gefragt


Der Quartalsumsatz stieg um 5 Prozent auf 19,8 Milliarden Euro, der Auftragsbestand um 6 Prozent auf 21 Milliarden. Ohne Währungseffekte wären die Zuwächse noch größer gewesen. Beim Quartalsergebnis machte sich die gute Lage im profitablen Geschäft mit der Medizintechnik ebenso bemerkbar wie das Wachstum im herkömmlichen Kraftwerksgeschäft - der größten Siemens-Sparte - und mit Windkraftanlagen. Großaufträge aus Ägypten, Schottland, den USA sowie Bolivien für Kraftwerke und Windräder machten die Nachfrageschwäche bei Kunden aus der Öl- und Gasindustrie mehr als wett. "Unser Auftragsbestand ist auf den Rekordwert von 116 Milliarden Euro angewachsen", sagte Kaeser.

Hatten früher immer wieder unerwartete Milliardenbelastungen bei einzelnen Großprojekten das Konzernergebnis verhagelt, verbessere Siemens jetzt "unter anderem durch verlässliche Projektabwicklung die Ertragskraft". Die Sparten Stromübertragung und Windkraftanlagen hätten "eine beachtliche Sanierung zügig hingelegt", sagte Kaeser. Die Großaufträge belegten "unsere wiedergewonnene Verlässlichkeit".

Eine Sparte schwächelt


Sorgenkind bleibt die Sparte mit Industrieautomatisierung und großen Antrieben. Als einzige verbuchte sie weniger Aufträge, Umsatz und Gewinn. Wegen des niedrigen Ölpreises investieren die Kunden aus der Öl- und Gasindustrie und anderen rohstoffnahen Branchen wenig, die Preise sind unter Druck. In dem Geschäftsfeld gebe es "enorme Überkapazitäten", eine Besserung sei nicht in Sicht, sagte Kaeser. In der Sparte will Siemens in Deutschland 2000 Stellen abbauen, im Ausland weitere 500. Finanzvorstand Ralf Thomas sagte, beim Sparprogramm sei Siemens näher am Ziel als gedacht. Die geplanten Einsparungen von einer Milliarde Euro könnten schon in diesem Jahr erreicht werden.

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