Handwerk sucht die Migranten

In der Nordoberpfalz gibt es 165 unbesetzte Lehrstellen für das neue Ausbildungsjahr. Das Handwerk hofft auf junge Asylbewerber, um dem enormen Mangel an qualifizierten Auszubildenden zu begegnen. Der 2. Nordoberpfälzer Wirtschaftstag setzte sich das Motto "Wirtschaft und Bildung".

Weiden. (cf) Mit großen Erwartungen verbindet der Präsident der Handwerkskammer, Dr. Georg Haber, die derzeit 850 Praktikumsangebote für Asylbewerber in Ostbayern. "Wir müssen uns hier weiter bewegen", forderte Haber bei der Tagung im Berufsbildungszentrum. Gerade das Handwerk mit seinen 130 Ausbildungsberufen biete eine Chance für Migranten und schwache Schüler. "Die Azubis sind ein nachwachsender Rohstoff. Wir müssen stärker denn je um sie werben."

Präsident Haber charakterisierte das Handwerk - allein 3200 Betrieben in der Nordoberpfalz - als Herzstück des Mittelstands. Zum demografischen Wandel komme der "Akademisierungs-Wahn" mit dem Drang auf das Gymnasium ohne Rücksicht auf die individuellen Fähigkeiten. Haber forderte die verpflichtende Berufsorientierung auch für Realschulen und Gymnasien.

In dieselbe Kerbe schlug auch der ehemalige bayerische Wirtschaftsminister Dr. Otto Wiesheu: "Die Ausbildung von jungen Asylbewerbern ist der beste Beitrag für die Integration." Der CSU-Politiker nahm bei der von Mittelstands-Union, IHK-Gremium u. a. organisierten Veranstaltung mit mehr als 100 Gästen kein Blatt vor den Mund. "Bei der Digitalisierung sind andere Länder weiter." Außerdem habe sich die Große Koalition in Berlin bisher mehr den "Wohlfühl-Themen" gewidmet. Er mahnte, "vom Umverteilungs- auf den Zukunfts-Modus umzuschalten". Wiesheus zentrale Punkte: Bestandspflege; engere Kooperation von Betrieben und Hochschulen; Erhaltung des produzierenden Bereichs ("dort wird die Nachfrage in Handwerk und Handel generiert"); Förderung von Mittelstand und ländlichen Regionen; Ausbau des schnellen Internets als Infrastruktur-Aufgabe wie früher die Zonenrandförderung ("der digitale Wandel betrifft alle").

Bundestagsabgeordneter Albert Rupprecht ermunterte die Oberpfälzer Unternehmen, noch stärker die Forschungsförderung des Bundes zu nutzen. Bisher fließen 2,5 Millionen Fördermittel an Firmen in der Region, u. a. an Kälte Grohmann, Völkl Motorentechnik, Kerafol, Hamm, Isa und Lüberg-Elektronik. Das Daten-Management werde immer bedeutender. "Wer die Standards setzt, beherrscht die Märkte." Rupprecht will in Berlin dafür sorgen, dass "sehr schnell" Weiterbildungsangebote aufgelegt werden. Die berufliche Bildung werde 2016 ein Schwerpunkt.

Es sprachen auch Professor Wolfgang Renninger ("der Bezug der OTH zur Wirtschaft ist essenziell wichtig") und Motivationscoach Theo Bergauer ("die Dinge in Bewegung und in Fahrt bringen").
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