Handwerkskammer diskutiert Möglichkeiten der Integration von Asylbewerbern
Große Chancen für Flüchtlinge

Unsere regionalen Handwerksbetriebe fördern Talente von Afghanistan bis Ostbayern - das ist eine echte Win-win-Situation für Wirtschaft und Gesellschaft.
"Bei uns zählt nicht, wo man herkommt, sondern wo man hin will", sagte Georg Haber, Präsident der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, bei der Fachveranstaltung zu "Flüchtlinge und Asylbewerber als Fachkräftepotenzial für das ostbayerische Handwerk". "Gerade bildungswillige Asylbewerber und Flüchtlinge mit einer hohen Bleibewahrscheinlichkeit sind eine wichtige Zielgruppe, um einen Beitrag zur Fachkräftesicherung zu leisten."

Stellvertretender Hauptgeschäftsführer Hans Schmidt zeigte sich sicher, dass das Handwerk über eine ausgeprägte Willkommenskultur verfüge, wie die Zahl von aktuell 100 Auszubildenden aus Syrien und Afghanistan beweise. Allerdings müsse klar sein, dass "das Ausbildungsniveau mindestens gleich bleiben, wenn nicht sogar steigen muss, um die Anforderungen des modernen Arbeitsmarktes erfüllen zu können".

Dieser Meinung war auch Stefan Weinberger, Geschäftsführer der Weinberger Malerbetrieb-Akustikbau in Osterhofen: "Wir wollen keine Helfer einstellen, sondern sehr gute Maler ausbilden." Er selbst beschäftige einen jungen Flüchtling aus Afghanistan als Auszubildenden, der hoch motiviert sowie fleißig sei und sowohl bei Kunden als auch Mitarbeitern gut ankomme. Neben einem flexibleren bürokratischen Regelwerk wünschte sich Weinberger vor allem Unterstützung beim Vermitteln der Sprachkenntnisse. Genau an gezielter Sprachförderung mangelt es häufig. Monika Wagner, Teamleiterin Berufsberatung bei der Agentur für Arbeit Deggendorf, erklärte, dass die Förderprogramme bisher keine originären Sprachkurse umfassen.

Auch Johann Dilger, Leiter der Staatlichen Berufsschule III in Straubing, kannte das Problem unzureichender Deutschkenntnisse: "Selbst nach zwei Jahren Berufsschule fehlt es an Sprachkenntnissen, die Qualifizierung muss unbedingt vorher erfolgen." Eine Umfrage unter 105 000 Asylsuchenden von über 20 Jahren ergab, dass 13 Prozent eine Hochschule, 17,5 Prozent ein Gymnasium und 30 Prozent eine Mittelschule besucht haben. Allerdings beruhen die Daten auf freiwilligen Angaben.
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