Handy-Gebührenfalle im Ausland bleibt noch bis 2016

Im Ausland genauso billig mobil telefonieren und surfen wie in Deutschland: Im europäischen Binnenmarkt sollte das eigentlich selbstverständlich sein, finden Verbraucherschützer. Eigentlich.

(dpa) Auch wenn die Schlagbäume längst abgebaut sind und am Zollhäuschen kaum noch jemand seinen Pass zücken muss - ein Signal holt Reisende noch immer jäh aus wolkigen Träumen eines grenzenlosen Europa zurück: das Plingpling der SMS, die die Auslandsgebühren fürs Handy avisiert. Eigentlich sollte es damit Ende 2015 vorbei sein, so wollen es das Europäische Parlament und die EU-Kommission. Doch daraus wird wohl nichts werden.

Der zuständige EU-Ministerrat hat sich jedenfalls noch nicht auf einen Termin zur Abschaffung der sogenannten Roaming-Gebühren festgelegt. Stattdessen wollten die Mitgliedstaaten "2015 Zeit darauf verwenden, um zu einer gemeinsamen Haltung zu kommen", sagte Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig Ende November reichlich vage nach Beratungen in Brüssel. Wichtig sei, dass es nicht zu "Marktverzerrungen" komme.

Genau das befürchtet die Telekomregulierungsbehörde Berec in einer Stellungnahme für die EU und rät von der völligen Abschaffung der Gebühren ab. Diese wäre "derzeit weder machbar noch praktisch umzusetzen", heißt es in dem Mitte Dezember veröffentlichten Papier. Die Handytarife, Reise- und Konsummuster der EU-Bürger seien einfach zu unterschiedlich.

Klar ist, dass sich Telefonanbieter gegen die erzwungene Gebührensenkung heftig wehren. "Die Preise für Inlandstelefonate und mobile Internetnutzung würden zwangsläufig steigen", warnt vorsorglich der deutsche Branchenverband Bitkom. Damit würden normale Handynutzer zu Hause dafür zur Kasse gebeten, dass vor allem Geschäftsleute im Ausland billiger telefonieren und surfen können, meinen die Interessenvertreter.

Tatsächlich seien solche Preiseffekte bereits zu beobachten, berichtet Sprecher John Phelan vom Europäischen Verbraucherverband. Denn die Roaming-Gebühren sind auf Druck der EU in den vergangenen Jahren dramatisch gesunken - nach Angaben der EU-Kommission seit 2007 um mehr als 80 Prozent.

Zuletzt mussten die Anbieter zum 1. Juli 2014 die Gebühr für Telefonate im EU-Ausland um fünf Cent zurücknehmen - von 24 auf 19 Cent plus Mehrwertsteuer. Eine SMS kostet seither für deutsche Kunden einschließlich Mehrwertsteuer in Europa höchstens 7,1 Cent statt 9,5 Cent. Der Preis für das Surfen im Internet sank sogar um mehr als die Hälfte, von 53,5 auf 23,8 Cent pro Megabyte Daten.

Dennoch beschränken nach einer Umfrage unter 28 000 Bürgern neun von zehn Verbrauchern im EU-Ausland aus Furcht vor der Preiskeule den Zugriff auf Dienste wie Facebook. Jeder Zweite nutzt auf Reisen grundsätzlich nicht mobil das Internet, jeder Vierte schaltet sein Handy komplett ab. Surfen, simsen und reden sie alle künftig angstfrei drauflos, warten für die Anbieter hübsche Geschäfte, meint Phelan.

Die Telekombranche glaubt offenbar nicht daran und klagt, man sei noch dabei, Vorschriften von 2012 umzusetzen, wonach sich Kunden unabhängig von ihrem Heimatvertrag einen Roaming-Anbieter wählen dürfen. Das koste die Branche EU-weit bereits 500 Millionen Euro, erklärt Bitkom. Alles kompliziert, alles ungelöst, heißt es. Statt Ende 2015 wird nun vorsichtig das Datum 2016 für ein Ende der Extragebühren ventiliert.
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