Harte Zeiten bei Stahl

Überkapazitäten drücken die Preise für Stahl (im Bild Rohstahlrollen in einem Werk von Thyssen-Krupp). Vor allem aus China kommt derzeit Billigstahl auf den Markt. Bild: dpa

Die Stahlbranche kämpft mit sinkenden Preisen und Überkapazitäten. Zehntausende von Stellen könnten europaweit nach Einschätzung des Weltstahlverbands durch Schließungen bedroht sein.

Massive Überkapazitäten in der Stahlbranche gefährden nach Einschätzung des Weltstahlverbands Zehntausende von Arbeitsplätzen in Europa. Von möglichen Kapazitätsanpassungen könnten bis zu 70 000 der europaweit noch rund 350 000 Stahl-Beschäftigten betroffen sein. Das sagte der Präsident des Weltstahlverbands, Wolfgang Eder, am Dienstagabend in Düsseldorf. Allein in Europa bezifferte Eder die Überkapazitäten auf "30 bis 40 Millionen Tonnen". Von der vorhandenen Gesamtkapazität von rund 210 Millionen Tonnen würden vermutlich nur etwa 170 Millionen Tonnen tatsächlich gebraucht.

Belastet werde die Stahlproduktion in Europa auch durch politische Rahmenbedingungen, die für eine zusätzliche Kostenbelastung sorgten, so Eder, der auch Chef des österreichischen Stahlkonzerns Voestalpine ist. Wenn keine Änderung eintrete, rechne er bis 2030 mit einer Halbierung der europäischen Stahlproduktion. Derzeit würden in Europa Stahlimporte aus China angeboten, deren Preise zwischen 15 und 20 Prozent unter den Preisen europäischer Hersteller lägen. In der Branche drohe ein massiver Preiskampf. Betroffen davon seien vor allem die Hersteller technologisch einfacher Stahlprodukte. Der österreichische Stahlkonzern arbeite bereits heute an einer weiteren Automatisierung der Produktionsprozesse in der Stahlindustrie. Etwa in drei bis vier Jahren könne ein Stahlwerk weitgehend ohne Menschen Wirklichkeit werden, meinte Eder. Dadurch könne die Produktivität weiter erhöht und die Fehleranfälligkeit verringert werden.
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