Heimisches Holz in alle Welt

Baumstämme, so weit das Auge reicht. Gewaltige Maschinen in riesigen Hallen "schlucken" bis zu 21 Meter lange Stämme wie Streichhölzer. Auf die unglaubliche Menge von 1,65 Millionen Festmeter Holz-Einschnitt bringt es die Ziegler Holzindustrie KG. Im beschaulichen Landkreis Tirschenreuth liegt heute der größte Sägewerk-Standort in Europa.

Plößberg. Unternehmens-Inhaber Wilhelm Ziegler überlegt nur kurz: Auf etwa 150 Millionen Euro schätzt der 62-Jährige die Gesamtinvestitionen in den Standort Betzenmühle bei Plößberg. Zu 90 Prozent im Umkreis von 200 Kilometern kauft Ziegler, der mit seinem Sohn Stefan (34) die Firma führt, den Rohstoff Holz ein: von Sachsen bis Regensburg, von Unterfranken bis Westböhmen. "Die Umgebung ist waldreich", sagt Ziegler.

Der Nachschub beläuft sich auf 6800 Festmeter am Tag. Dies entspricht 300 Lkw-Ladungen, zu 60 Prozent Fichte und zu 40 Prozent Kiefer, in allen Stärkeklassen. Droht unseren Wäldern angesichts dieser gigantischen Mengen der Kahlschlag? "Nirgendwo auf der Welt steht mehr Holz als in deutschen Privatwäldern", beruhigt Hans-Peter Lang, Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung Eslarn-Vohenstrauß. Außerdem wachse in Deutschland 20 Prozent mehr Holz nach als wirtschaftlich genutzt werde. 40 Prozent seines Bedarfs deckt Ziegler aus Privatwäldern, 15 Prozent kommen von den bayerischen Staatsforsten, 35 Prozent aus Tschechien. Die Bundes- und Landesforsten steuern 10 Prozent bei. Ziegler fällt die Bäume manuell oder vollmechanisiert, sorgt für Transport per Lkw, Bahn oder Schiff und übernimmt die Vermarktung "ab Stock": Fullservice ganz nach dem Wunsch der Kunden.

Mit einem idyllischen Sägewerk hat die industrielle Produktion am Standort Betzenmühle nichts mehr gemein. Die riesige Anlage aus fünf Fertigungs-Werken plus Hobelwerken, Trocknung, Sortier- und Biomasse-Heizkraftwerk ist ganz auf Effizienz ausgerichtet.

Biomasse-Heizkraftwerk

430 Mitarbeiter - von denen ein Drittel täglich aus dem nahen Tschechien pendelt - produzieren in zwei Schichten von Montag bis Samstag alle Holz-Arten, die der internationale Markt nachfragt: Bretter, Latten, Kanthölzer, Balken für den Hausbau u. a. Zur Ziegler Group gehören neben der Ziegler Holzindustrie die 100-prozentigen Töchter Ziegler Logistik (35 Beschäftigte, eigener Güterzug am Bahnhof Wiesau), Ziegler Forstservice (Einkaufsgesellschaft für den deutschen Raum mit 20 Mitarbeitern) und Drevo Ziegler in Tschechien mit 7 Beschäftigten. Wilhelm Ziegler kündigt einen Ausbau der Aktivitäten im Nachbarland an. Schritt für Schritt, mit klugem Bedacht, reinvestierte der Familienunternehmer die Gewinne in den stetigen Ausbau des heute weitgehend automatisierten Standorts, auch mit teilweise gebrauchten, aber modernen Fertigungsanlagen aus Schweden oder Litauen. "Weil der Trend eindeutig zu trockenem Holz geht", kann die Trocknung 300 000 Kubikmeter Holz aufnehmen, dem bei 70 Grad bis zu fünf Tage lang die Feuchtigkeit entzogen wird. Die Trocknung wird über ein Biomasse-Heizkraftwerk beheizt. Es wandelt Rinde, Säge- und Hobelspäne mit einem Volumen von 2,7 Millionen Raummetern im Jahr in 8,7 Megawatt (MW) thermische und 1,8 MW elektrische Energie um.

Auch wenn Deutschland mit 420 000 Kubikmetern im Jahr der wichtigste Absatzmarkt ist: Der Holz-Export wächst enorm, etwa in die Karibik, wo Ziegler den Marktanteil auf 95 Prozent beziffert. Auch Indien und Pakistan "sind stark im Kommen". Auf eine Reise um die Welt gehen von Betzenmühle aus 480 000 Kubikmeter Holz. Ziegler kooperiert nicht nur mit den führenden Seehafen-Spediteuren, sondern arbeitet eng mit regionalen Unternehmen zusammen: Witron, Witt, Hamm, ATU oder Stahlgruber. Die von Ware aus Fernost entladenen Container füllt Ziegler mit Holz. Wilhelm Ziegler: "Der Lkw nach Hamburg kostet uns deshalb mehr als der Container nach Indien."
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