Herbst für Autofahrer eine gefährliche Jahreszeit
Tiere, Trecker, tückisches Wetter

Typisch Herbst: Schlechte Sicht und rutschige Straßen können das Autofahren gefährlich machen. Archivbilder: dpa
 
Ein tödlich verunglücktes Tier sollte nur unter der Verwendung von Schutzhandschuhen an den Fahrbahnrand gebracht werden.

Der Herbst gehört für Autofahrer zu den gefährlichen Jahreszeiten. Schnell wechselnde Wetterbedingungen, viel landwirtschaftlicher Verkehr und vor allem der Wildwechsel erfordern erhöhte Aufmerksamkeit.

Berlin/München. Unterwegs auf einer Landstraße im Herbst: In einem Waldstück steht plötzlich ein Reh auf der Fahrbahn, schaut in die herannahenden Scheinwerfer und verharrt regungslos. Der Autofahrer verlangsamt die Fahrt, blendet ab und hupt. Erst dann verschwindet das Reh mit großen Sprüngen im dichten Wald. Längst nicht alle Begegnungen zwischen Autos und Wildtieren enden so glimpflich. "Die Zahl der Wildunfälle liegt seit Jahren stabil hoch bei rund 250 000 pro Jahr", sagt Torsten Reinwald vom Deutschen Jagdverband. "Und das sind nur die registrierten." Hinzu kämen noch Kollisionen mit Kleintieren, die in keiner Statistik auftauchten.

Hauptursache für die Zusammenstöße mit Tieren: vor allem überhöhte Geschwindigkeit. Denn nach wie vor unterschätzen viele Autofahrer, dass sich die Straßenverhältnisse im Herbst schnell ändern. Der Fahrbahnbelag sei oft viel feuchter. "Gerade im Zusammenspiel mit Laub ist die Straße dann rutschiger und kann regelrecht seifig werden, entsprechend länger ist der Bremsweg", warnt der Meteorologe Sebastian Wache vom Wetterdienstleister WetterWelt aus Kiel. Der Herbst sei eine typische Übergangszeit und wettertechnisch gesehen immer für Überraschungen gut.

"Herbststürme, reichlich Regen, nicht selten erster Schneeregen, Nebel, eine tief stehende Sonne und auch der erste Bodenfrost", zählt Wache auf. Gerade aufgrund schlechter Sicht raten Autoclubs zum richtigen Einsatz der Nebelbeleuchtung. Nebelscheinwerfer dürfen Autofahrer laut ADAC bei erheblicher Sichtbehinderung durch Nebel, Schneefall oder Regen einschalten. Die Nebelschlussleuchte ist dagegen nur bei Nebel und ab einer Sichtweite von unter 50 Metern erlaubt. Als Orientierung können die Leitpfosten am Fahrbahnrand dienen, die ebenfalls im Abstand von 50 Metern montiert sind. Bei eingeschalteter Nebelschlussleuchte gilt ein Höchsttempo von 50 km/h.

Rehe und Wildschweine


Im Herbst ab Oktober und November sind vor allem Wildschweine, Rehe und Hirsche unterwegs - besonders in der Dämmerung. "Da fühlen sie sich am sichersten", sagt Reinwald. Auf der Suche nach Winterquartieren würden sie Straßen vorzugsweise im Bereich von nahen Waldgebieten überqueren. Und ein Tier kommt selten allein. "Hat ein Wildschwein die Straße überquert, folgen oft weitere, da die Tiere meist im Familienverband unterwegs sind", warnt der Jäger.

Wer mit einem Tier kollidiert, sollte zunächst die Polizei rufen, auch wenn das betroffene Tier weggelaufen ist. "Die Polizei informiert dann den zuständigen Jäger, der das verletzte Wildtier auch mit Schweißhunden suchen kann", so Reinwald. Für die Suche sei es auch wichtig, dass der Fahrer die Unfallstelle etwa mit einem Taschentuch kenntlich macht. Keinesfalls sollten Autofahrer verletzte Tiere aufgrund der Infektionsgefahr ungeschützt anfassen und sie auch nicht zu einem Tierarzt bringen. "Wildtiere sind den Menschen nicht gewohnt, entsprechend bedeutet jeder Kontakt Stress für sie."

An Fahrbahnrand bringen


Ein tödlich verunglücktes Tier sollte unter der Verwendung von Schutzhandschuhen an den Fahrbahnrand gebracht werden. Entstandene Schäden am Fahrzeug dokumentiert man im eigenen Interesse gut. "Die Teilkasko zahlt nur dann, wenn der Fahrer einen entsprechenden Nachweis führen kann", sagt Rechtsanwalt Jens Dötsch von der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht. Wichtig ist zudem, welches Tier den Unfall verursacht hat. "Abgedeckt sind in der Regel Schäden durch Haarwild, wozu Rehe, Hirsche, Füchse oder Wildschweine zählen", so Dötsch. Es gebe aber inzwischen auch geringfügig teurere Policen, die Unfälle mit Tieren wie Pferden oder Rindern ebenfalls abdecken.

Komplizierter wird es, wenn Fahrer Wildtieren ausweichen und dabei im Straßengraben oder an einem Baum landen. Dann bezahle die Versicherung nur, "wenn der Fahrer eindeutig nachweisen kann, dass durch das Ausweichmanöver ein größerer Schaden verhindert wurde", so Dötsch. Dies könne etwa bei einem großen Tier wie einem kapitalen Hirsch der Fall sein. Da diese Manöver nicht selten auch tödlich enden, rät der Jagdverband im Zweifel eher zu einem kontrollierten Zusammenstoß mit dem Tier. "Die sogenannten Baumopfer resultieren meist aus panikartigen Ausweichmanövern", sagt Reinwald. Die Folgen jedoch seien oft weitreichender als bei einer gezielten Kollision, nach der der Autofahrer immer noch die Möglichkeit habe, den Unfallort abzusichern und weitere Hilfe zu holen.

Vorausschauend fahren


Gefährlich für den Autofahrer kann im Herbst auch durch das sogenannte Bauernglatteis werden. Damit sind Lehm- und Erdklumpen von Landmaschinen im Zusammenspiel mit Erntegut und feuchter Luft gemeint. "Die Fahrbahn kann sich so schnell in eine gefährliche Rutschbahn verwandeln", sagt Jochen Oesterle vom ADAC und rät zu besonderer Vorsicht. Generell sollten Autofahrer im Herbst auf landwirtschaftliche Fahrzeuge achten, denn "Landmaschinen sind oft mit Überbreite unterwegs und biegen an Stellen auf ihre Felder ab, wo man es oft nicht vermutet", so Oesterle. Autofahrer sollten daher im Bereich von Feldern besonders vorausschauend fahren und lieber einmal weniger überholen und auch einen größeren Sicherheitsabstand halten.

Sicherer unterwegs sind Autofahrer im Herbst übrigens auch schon mit Winterreifen. Einen vorgeschriebenen Zeitpunkt für den Wechsel gibt es nicht. "Hier kann man sich aber immer gut an der O-bis-O-Regel orientieren, also von Oktober bis zum Wochenende nach Ostern", rät Oesterle. Denn bei Bodentemperaturen im einstelligen Bereich bieten Winterreifen im Zweifelsfall die bessere Bodenhaftung.
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