Herbstkonferenz in Regensburg: Neun von zehn Unternehmen sind zufrieden - Kunde wartet ...
Geschäftsklima im Handwerk auf Allzeithoch

Bei der Herbstkonferenz des deutschen Handwerkskammertages diskutierten Vertreter der 53 deutschen Handwerkskammern Themen wie Fachkräftemangel, Asylpolitik und den Breitbandausbau. Bei einer Pressekonferenz zum Auftakt gaben Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), und Toni Hinterdobler, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, Einblick in das "poetisch gute Geschäftsklima". Gestiegene Löhne und niedrige Zinsen hätten die Binnenkonjunktur zusätzlich angetrieben, so dass man gegenüber der seit 2010 ohnehin schon guten Auftragslage "nochmal eine Schippe drauflegen" könne, erklärte Schwannecke. Besonders die Nachfrage nach Wohnraum und Sanierung hätten in Bau- und Ausbaugewerbe einen Auftragshorizont von etwa neun Wochen ergeben. Das bedeutet, wer jetzt als Kunde einen Auftrag zu vergeben hat, kommt in der Regel erst im kommenden Jahr zum Zuge.

Auch in Niederbayern und der Oberpfalz sei das der Fall, bestätigte Hinterdobler. "Aber zum Glück sind die Kunden da flexibel." Jeder fünfte Betrieb habe im dritten Quartal neue Mitarbeiter eingestellt, und erstmals seit 1992 wollten wieder mehr Betriebe investieren als einsparen. Auch im Kfz-Gewerbe und im Lebensmittelhandwerk sei wieder Aufwind zu spüren. Das Neu- und Gebrauchtwagengeschäft läuft, die Werkstätten sind wieder besser ausgelastet. Vor allem aber der Trend zu hochwertigen regionalen Lebensmitteln sei deutlich spürbar.

Während der private Konsum für Stabilität sorgt, gehe aber von den sinkenden öffentlichen Investitionen ein großes Risiko aus. Besonders kritisierte Schwannecke die öffentlich-privaten Partnerschaften (ÖPP), bei denen der Staat große Bauprojekte wie etwa Autobahnen komplett an private Investoren abgibt. "Bei der Vergabe in ÖPP-Modellen droht der handwerkliche Mittelstand ausgeschlossen zu werden", warnte Schwannecke. "Regionale Wertschöpfung wird so fast unmöglich gemacht." Die klassische Auftragsvergabe durch die öffentliche Hand sei obendrein billiger. Gegen den Trend habe man dieses Jahr ein leichtes Plus von einem Prozent bei den Auszubildenden verzeichnet. Das helfe dem Lehrlingsmangel wohl nicht ab, aber weise auf den Erfolg der bundesweiten Imagekampagnen hin. In Niederbayern und der Oberpfalz seien an den Berufsschulen 1500 Plätze für zweijährige Integrationsklassen bereitgestellt worden, berichtete Hinterdobler. Flüchtlinge könnten hier neben Deutsch auch handwerkliche Kenntnisse erwerben, um sich passgenau zu bewerben.

Bei 200 Ausbildungsverträgen mit Asylbewerbern würden die positiven Beispiele überwiegen. "Die Ausbilder vermitteln kulturelle Kompetenz, allein dadurch, dass es sich oft um kleine Betriebe mit viel Kundenkontakt handelt", erklärte Hinterdobler.
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