Hersteller Schuberth verkauft mehr Helme für Polizisten
Gefragter Schutz

Jan-Christian Becker ist Geschäftsführer der Schuberth GmbH in Magdeburg (Sachsen-Anhalt). Die Produkte des traditionsreichen Helmherstellers mit seinen 400 Mitarbeitern werden in 55 Länder exportiert. Bild: dpa

Magdeburg. Nach den jüngsten Terroranschlägen in Europa profitiert Helmhersteller Schuberth aus Sachsen-Anhalt von Neueinstellungen bei der Polizei. "Wir verkaufen mehr Einsatzhelme, weil mehr Polizisten eingestellt werden und sie einem gestiegenen Bedrohungspotenzial ausgesetzt sind", sagte Geschäftsführer Jan Becker der Deutschen Presse-Agentur. Auf Basis der aktuellen Auftragslage rechnet er für 2016 mit einem Umsatzplus von gut sieben Prozent auf rund 75 Millionen Euro.

Auch Motorradhelme


Wie das Bundesinnenministerium mitteilte, ist die Firma Schuberth bei den deutschen Polizeien Hauptlieferant für Einsatzhelme. Den größten Teil der Umsätze erwirtschaftet das Unternehmen jedoch mit Motorradhelmen.

Weil Terroristen oft mit schweren Waffen schießen, empfiehlt eine Arbeitsgruppe der Innenminister von Bund und Ländern den Landespolizeien, ihre Beamten besser zu schützen. Die bislang hauptsächlich verwendeten Einsatzhelme schützten ausschließlich vor Stichen, Stößen und Brandmittelangriffen, erläuterte das Bundesinnenministerium.

"Ständig Anfragen"


Schuberth hat neben den Standard-Einsatzhelmen auch kugelsichere Anti-Terror-Helme im Sortiment und verzeichnet nach eigenen Angaben ein verstärktes Interesse daran. Es gebe ständig Anfragen, sagte Geschäftsführer Becker. An deutsche Polizeien habe Schuberth jedoch bisher keine dieser sogenannten ballistischen Helme verkauft.

Die Landespolizeien, die laut Gewerkschaft der Polizei zuletzt verstärkt neue Kräfte einstellten, beziehen diese Helme bislang aus dem Ausland. So lieferte der österreichische Hersteller Ulbrichts Witwe nach eigenen Angaben in diesem Jahr 850 kugelsichere Titanhelme an die hessische Polizei. Nach dem Amoklauf von Winnenden habe Baden-Württemberg bereits 2011 ballistische Schutzhelme für Streifenpolizisten beschafft. Zudem seien die Spezialkräfte der GSG9 mit Ulbrichts-Helmen ausgestattet.

Auch der amerikanische Hersteller Armor Source verzeichnet nach Angaben eines Sprechers in Europa ein gestiegenes Interesse an seinen ballistischen Helmen - besonders seit der Anschlagsserie in Paris im November 2015. "Es hat einen Wacheffekt gegeben", sagte der Sprecher. Das Unternehmen versorgte zuletzt die Landespolizei Sachsen sowie die neu geschaffene Sondereinsatztruppe BFE+ der Bundespolizei mit diesen Spezialhelmen. In Bayern soll künftig jeder Streifenwagen mit zwei kugelsicheren Helmen ausgestattet werden, wie das dortige Innenministerium mitteilte. Derzeit laufe das Vergabeverfahren.
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