Heute Demonstrationen
Bodenpersonal gegen Piloten

Im zugespitzten Arbeitskampf bei der Lufthansa kommt es zum öffentlichen Kräftemessen zwischen den streikenden Piloten und Teilen der übrigen Belegschaft. Für heute riefen die Pilotengewerkschaft und der Betriebsrat des Bodenpersonals zu entgegengesetzten Protesten auf.

Frankfurt. Der Boden-Betriebsrat Frankfurt fordert in seinem nicht namentlich unterzeichneten Aufruf ein schnelles Ende des "zerstörerischen Streits" und verlangt von der Vereinigung Cockpit (VC), in eine Schlichtung einzuwilligen. Die Durchsetzung von Partikularinteressen gehe auf Kosten aller anderen Kollegen. "Vielmehr muss es darum gehen, den notwendigen Konzernumbau im Sinne aller Lufthanseaten konstruktiv und in die Zukunft gerichtet zu begleiten. Tarifforderungen müssen sich den realen Marktbedingungen stellen", heißt es weiter.

Die Kabinengewerkschaft Ufo distanzierte sich ausdrücklich von der Demonstration gegen die Piloten vor der Unternehmenszentrale. Der Aufruf sei ein "bitteres Armutszeugnis" für das Gremium, erklärte Ufo-Tarifvorstand Nicoley Baublies. Verdi distanzierte sich ebenfalls. "Wir halten die Demonstration für falsch und haben unsere Mitglieder aufgefordert, daran nicht teilzunehmen", sagte Bundesvorstandsmitglied Christine Behle. Die Verdi-Vertreter im Betriebsrat hätten sich ausdrücklich gegen die Aktion gewendet.

Jederzeit weitere Streiks


Die VC hat auch für den Mittwoch ihre Mitglieder zu Arbeitsniederlegungen auf allen Lufthansa-Strecken aufgerufen. Erneut hat die Lufthansa in einem Sonderflugplan 890 Verbindungen mit 98 000 betroffenen Passagieren gestrichen. Weitere Streiks sind laut VC-Sprechers Jörg Handwerg jederzeit mit einem Vorlauf von 24 Stunden möglich. Bislang sind laut Lufthansa an den sechs Streik-tagen seit vergangenem Mittwoch mehr als 525 000 Passagiere von insgesamt 4461 Flugausfällen betroffen.

BDL: Schlichtung zwingend


Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) forderte zusätzliche Regeln für den öffentlichen Luftverkehr. Dem letzten Mittel des Streiks müsse zwingend eine Schlichtung vorgeschaltet werden, erklärte der Verband in Berlin. "Nur so lässt sich im Luftverkehr die friedensstiftende Kraft der Tarifautonomie wieder zurückgewinnen", sagt BDL-Hauptgeschäftsführer Matthias von Randow. Man halte zudem längere Ankündigungsfristen, die Vereinbarung einer Notversorgung sowie die Verpflichtung zur Urabstimmung für erforderlich.

Auch der Flughafenverband ADV verlangte neue Regeln für Arbeitskämpfe an unverzichtbaren Verkehrsinfrastrukturen. "Klientelgewerkschaften haben durch ihre Maßlosigkeit jegliche Bodenhaftung verloren. Der Schaden geht weit über Airlines und Flughäfen hinaus und trifft die gesamte Volkswirtschaft. Das Vertrauen in den deutschen Luftverkehrsstandort wird zunehmend beeinträchtigt", erklärte ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel.

Das Vertrauen in den deutschen Luftverkehrsstandort wird zunehmend beeinträchtigt.Ralph Beisel, ADV-Hauptgeschäftsführer
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