Hoflieferant der Chinesen

In der Rolle der obersten deutschen Handelsvertreterin empfängt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang vor dem Bundeskanzleramt in Berlin. Bild: dpa

Zuletzt gab es Misstöne im Verhältnis zwischen Chinas Behörden und deutschen Konzernen. Offiziell ist man sich aber einig: Eine Behinderung von Handel und Investitionen würde beiden schaden. Neue Milliarden-Deals sollen die Wirtschaftsbeziehungen vertiefen.

Deutsche und chinesische Wirtschaftsvertreter warnen vor Handelsschranken zwischen China und Europa - und treiben gleichzeitig gegenseitige Geschäfte mit neuen Milliarden-Deals voran. Die Volksrepublik brauche die europäische Qualität und Technologie, während Europa den chinesischen Markt und Chinas Tempo wolle, sagte der Chef des chinesischen Industrie- und Wirtschaftsverbands, Li Yizhong, am Freitag bei der Eröffnung des sechsten "Hamburg Summit: China meets Europe". Bei dem Wirtschaftstreffen in der Hansestadt mit rund 600 Teilnehmern ging es vor allem um nachhaltige Entwicklung, chinesische Investitionen in Europa und um die Reformen, die die kommunistischen Partei Chinas im November 2013 beschlossen hatte.

Milliarden-Verträge

Am Rande der deutsch-chinesischen Regierungsgespräche in Berlin wurden unterdessen neue Kooperationen und Milliarden-Deals zwischen deutschen und chinesischen Unternehmen besiegelt. Daimler und sein Partner Beijing Automotive (BAIC) unterschrieben eine Vereinbarung zum Ausbau der Kompaktwagen-Fertigung im Gemeinschaftsunternehmen Beijing Benz (BBAC). Dabei sollen eine Milliarde Euro in die lokale Produktion weiterer Modelle fließen. Die Summe ist Teil eines Investitionsplans von vier Milliarden Euro.

Der größte europäische Autokonzern Volkswagen will seine starke Position in China ebenfalls weiter festigen. Die Wolfsburger verlängerten ihr Joint Venture mit FAW auf dem größten Automarkt der Welt bis 2041.

Der Vertrag wurde bei einem Treffen von VW-Chef Martin Winterkorn, Chinas Ministerpräsident Li Keqiang und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) unterzeichnet. Mit dem zweiten Partner SAIC hatte VW seine Zusammenarbeit bereits 2002 bis zum Jahr 2030 fortgeschrieben. Die Deutsche Telekom sucht in China den Einstieg in den Markt "Vernetztes Auto". Vorstände des Konzerns und des Mobilfunkbetreibers China Mobile schlossen eine Vereinbarung zur Gründung eines Joint Ventures, das 2015 startet. Die Telekom bringt dabei ihr Wissen im Bereich Telematik ein, der chinesische Partner steuert digitale Dienste über sein Mobilfunknetz bei.

Auch Airbus brachte neue Geschäfte unter Dach und Fach. Der europäische Flugzeugbauer schloss einen Rahmenvertrag über den Verkauf von 70 Mittelstrecken-Maschinen aus der A320-Familie nach China. Laut Listenpreis habe der Auftrag einen Wert von rund sieben Milliarden US-Dollar (5,5 Milliarden Euro), sagte Airbus-Chef Fabrice Brégier in Berlin. Über den Kauf von 70 Maschinen hatte die China Aviation Supplies Holding Company (CAS) bereits im März eine Absichtserklärung unterschrieben. Zudem wurde eine Erklärung über den Bau eines A330-Fertigstellungszentrums abgegeben.

In Hamburg kündigte Chinas größte Reederei Cosco an, ihre Aktivitäten in Europa auszubauen und dabei auch auf Hamburg zu setzen. "Wir werden unsere Zusammenarbeit mit Europa unter anderem in den Häfen von Hamburg und Rotterdam vertiefen", sagte der Chef der China Ocean Shipping Company, Li Yunpeng. Basis dafür sei eine gute Infrastruktur.

Vereinbarungen über eine engere Kooperation gab es zudem im Gesundheitswesen, in der Landwirtschaft, in der Wissenschaft und bei der Entwicklung alternativer Antriebstechnologien für Autos. China soll Partnerland der Computermesse CeBIT 2015 in Hannover werden.

Probleme mit Behörden

An diesem Samstag werden Li Keqiang, EU-Parlamentspräsident Martin Schulz und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) in Hamburg erwartet. Verbandschef Li Yizhong mahnte, China und die Europäische Union sollten sich auf bessere Handelsstrukturen verständigen und Märkte weiter öffnen. Dazu gehöre, den Blick auch auf Investitionen zu lenken. Li räumte ein, dass es Probleme zwischen China und Europa gebe. "Aber diese sollten sich nicht negativ auf unsere freundschaftlichen Beziehungen auswirken." Chinas Wettbewerbshüter hatten zuletzt etwa Strafen gegen ausländische Autobauer wegen angeblicher Preisabsprachen verhängt.
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