Hohe Erwartungen an künftigen Bank-Chef

John Cryan. Archivbild: dpa

Die Börse jubelt, die Erwartungen der Investoren sind hoch: Die Tage der Doppelspitze Jain/Fitschen bei der Deutschen Bank sind gezählt. Bringt der plötzliche Machtwechsel nun die Wende?

Der Chefwechsel bei der Deutschen Bank lässt Investoren auf ein Ende der Skandale bei Deutschlands größtem Geldhaus hoffen. Der Brite John Cryan müsse sich "das Thema Kulturwandel mal richtig vornehmen", forderte Anlegerschützer Klaus Nieding am Montag. Cryan soll zum 1. Juli Anshu Jain in der Doppelspitze des Konzerns ersetzen. Jürgen Fitschen bleibt noch bis zum Abschluss der Hauptversammlung am 19. Mai 2016 Co-Chef, danach soll Cryan alleiniger Vorstandschef der Bank werden.

Fitschen muss sich derzeit zudem wegen versuchten Prozessbetrugs im Kirch-Verfahren vor Gericht verantworten. Fitschen wies die Vorwürfe zurück. "Es reicht eben nicht aus, wenn von allerhöchster Stelle gesagt wird, wir wollen einen Kulturwandel, dann aber in den einzelnen Stabsabteilungen im Bereich des Investmentbankings dieser Kulturwandel gar nicht ankommt", sagte Nieding, der Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz ist. Ein Großteil der Altlasten hat seine Wurzeln im Investmentbanking, dessen oberster Chef Jain lange war. Cryan, ehemals Finanzvorstand der Schweizer Großbank UBS, ist seit 2013 Aufsichtsratsmitglied der Deutschen Bank. Mit seinem Amtsantritt als Co-Vorstandschef wird Cryan sein Mandat im Aufsichtsrat niederlegen.

In der Bundespolitik wird der Führungswechsel als Chance für einen Neuanfang gewertet. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte, sie wolle, dass die Deutsche Bank erfolgreich arbeiten könne. Jetzt müsse die Bank Glaubwürdigkeit zurückgewinnen und wieder in die Erfolgsspur kommen, sagte der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Carsten Schneider.

Der finanzpolitische Sprecher der Grünen, Gerhard Schick, mahnte: "Der neue Vorstand muss aufräumen, vor allem im Investmentbanking, wo das teilweise kriminelle Verhalten strukturell bedingt war." Dagegen warnte die Linkspartei, mit dem Stühlerücken an der Konzernspitze sei es nicht getan. Die Deutsche Bank und die gesamte Finanzwelt hätten aus der Krise nichts gelernt. (Kommentar)
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