Hotel Admira gegen Max-Reger-Halle - "Wir brauchen nicht mehr Betten in Weiden"
Streit unter Nachbarn

Die Geschäftsführer der Max-Reger-Halle und des Admira-Hotels liegen räumlich ganz nah beieinander. Was allerdings die erforderliche Bettenzahl in Weiden angeht, driften die Meinungen weit auseinander. Archivbild: Wilck

Weiden. (mte) Die Geschäftsführerin des Hotel Admira zeigt Verständnis für die schwierige Aufgabe des Johannes Häring. Seit April ist er der neue Geschäftsführer der defizitären Max-Reger-Halle. "Doch seine Forderung nach mehr Hotelbetten in Weiden ist vollkommener Schmarrn. Das dokumentiert nur seine eigene Hilflosigkeit."

Auf gute Nachbarschaft? Von wegen. Dr. Jeannine Gräfin von Thun und Hohenstein Veit, Inhaberin und Geschäftsführerin des Hotel Admira, empört sich über die Aussagen des neuen Max-Reger-Hallen-Chefs: Statt sich nebenan vorzustellen und zu reden, habe Johannes Häring in einem NT-Interview erklärt, er könne nur verstärkt mehrtägige Messen und Kongresse nach Weiden holen, wenn es für die Gäste auch die nötigen Hotelbetten gebe. Dies sei aktuell nicht der Fall.

Kaum Touristen

"Wir brauchen nicht mehr Betten in Weiden", kontert Gräfin von Thun. "Wenn noch ein Hotel nach Weiden kommt, müssten zwei andere schließen." Daran würden auch zwei oder drei mehrtägige Kongresse extra im Jahr mit jeweils 400 Gästen nichts ändern. "Davon kann kein Hotelier leben." Schließlich stünden die Betten an den anderen Tagen leer. Touristen kämen ja kaum in die Stadt. Ausgenommen Amerikaner. "Aber die kommen und gehen ganz unterschiedlich", weiß Admira-Geschäftsführerin Gräfin von Thun. Ansonsten sei Weiden nunmal nicht Regensburg, wo die Auslastung zehn Prozent höher liegt. "Obendrein haben wir hier auch kein Schloss Neuschwanstein. Weiden lebt von den Geschäftsleuten und nicht von Wochenendgästen."

Die Debatte um mehr Betten in Weiden ist nicht neu, weiß Robert Drechsel. Der Vorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) im Kreis Weiden/Neustadt erinnert sich an ähnliche Forderungen von Härings Vorgänger, Gerhard Hagler, aus dem Jahr 2007. Damals widersprach Lothar Heigl, Vorsitzender des Fachbereichs Hotellerie und Chef des Hotels Am Tor, mit Verweis auf die geringe durchschnittliche Jahresauslastung der bereits bestehenden Gästeunterkünfte. Hier habe sich auch acht Jahre später nicht viel getan. So lag die Bettenauslastung in Weiden laut Landesamtes für Statistik im Jahr 2014 bei 36 Prozent und damit nur zwei Prozentpunkte höher als noch 2007. "Diejenigen, die nach mehr Betten schreien, machen sich einfach zu wenig Gedanken", meint Drechsel.

Fünf mal im Jahr Engpässe

Am Ende rechnet sich ein Hotel aber nur, wenn es übers Jahr gut ausgelastet ist. Durchschnittlich 60 Prozent seien nötig, um rentabel zu wirtschaften, erklärt die Admira-Geschäftsführerin. Im Januar und Februar dieses Jahres rangierte ihr Hotel aber beispielsweise nur bei knapp 30 Prozent. "Und das sind schon bessere Zahlen als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum", erklärt Gräfin von Thun. Ihr Fazit: "Von dem Hotel leben würde ich nicht wollen." "Etwa fünf Mal im Jahr gibt es einen Engpass an Gästeunterkünften", räumt Dehoga-Kreisvorsitzender Drechsel ein, der die Forderungen des Hallen-Chefs für "nicht ungewöhnlich" hält: "Er hätte bei mehr Hotelzimmern weniger Probleme bei der Unterbringung seiner Tagungsgäste."

Am Ende aber ist Drechsel von Thuns Meinung: Ein neues Hotel könne seine Auslastung nur auf Kosten der bestehenden Betriebe generieren. "Bestenfalls könnte man durch einen neuen Anbieter die Qualität beim Angebot erhöhen, keinesfalls jedoch die Zimmerkapazität." Deshalb wirbt er mit einem Augenzwinkern für unkonventionelle Lösungen: "Ein mobiles Hotel wäre für alle Beteiligten die Lösung."
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