Hotelbranche fürchten wachsende Konkurrenz durch Vermietungs- und Buchungsportale
Fundament des traditionellen Tourismus bröselt

Internetportale wie Airbnb treiben den Hoteliers die Sorgenfalten auf die Stirn. Sie fürchten um ihr Geschäft. Archivbild: dpa

Berlin. Die Jahresbilanz fällt prima aus, die Aussichten für heuer sind rosig. Bei Übernachtungszahl und Umsatz erwarten Hotels und Pensionen in Deutschland nach einem Rekordjahr wieder ein Rekordjahr. Doch vor wenigen Tagen preisen die beiden Herren vom Hotelverband Deutschland nicht allein die Erfolge der Branche. Sie tragen Sorgen vor, die nach mehr klingen als Jammern auf hohem Niveau. "Wir sitzen auf einem Pulverfass", sagt der Hauptgeschäftsführer Markus Luthe. "Das Geschäftsmodell ist geeignet, die Grundlagen von Tourismus zu gefährden." Gemeint sind Internetportale wie Airbnb und Wimdu, die die Vermietung von Privatwohnungen und Ferienhäusern an Reisende aus der ganzen Welt vermitteln.

Wenn in beliebten Städten wie Berlin oder München immer mehr Reisende in Wohnhäusern nächtigten, dann sinke unter den Einheimischen die Akzeptanz für den Tourismus insgesamt. Das zeigten Beispiele wie Paris, wo es so viele Privatunterkünfte wie Hotelzimmer gebe, oder Barcelona, wo inzwischen doppelt so viele Besucher in privaten Unterkünften nächtigten wie in Hotels.

"Schattenwirtschaft"


Die Hotelbesitzer wurmt natürlich, dass da eine mächtige Konkurrenz herangewachsen ist, die den etablierten Herbergen das Geschäft streitig macht. Etwas giftig sagt der Verbandsvorsitzende Fritz Dreesen, die angebliche "Sharing Economy" (Wirtschaft des Teilens), für die Airbnb romantisch verklärt auf dem Reisemarkt stehe, sei in Wirklichkeit eine "Shadow Economy" (Schattenwirtschaft).

Seine Begründung: Die Online-Portale agierten bei der Vermittlung von Privat-Appartements in einem rechtlichen Freiraum. Der gehe nicht nur zulasten der Anwohner und Steuerzahler, sondern auch der reisenden Mieter. Die Kunden bekämen nämlich den Verbraucherschutz gerade nicht, der sonst - nicht nur von Touristikunternehmen - stets gefordert werde. "Gleiche Rechte und Pflichten für alle Marktteilnehmer" sei das, was man vom Gesetzgeber erwarte.

Airbnb sieht das naturgemäß anders und will möglichst lockere Regeln, wie sich derzeit im Streit mit der Stadtregierung von Berlin zeigt. Die Senatsverwaltung hat vor zwei Jahren ein Verbot erlassen, normale Wohnungen im Stadtgebiet in Ferienwohnungen umzuwidmen. Ziel: Der schon knappe Wohnraum für Alt- und Neu-Berliner soll nicht noch knapper werden. Von Mai an wird es auch keine Ausnahmen mehr geben, auch nicht für Airbnb.

Registrierung gefordert


Die Hoteliers verlangen, dass sich Privatvermieter nicht nur in Berlin bei den zuständigen Behörden registrieren lassen müssen. Es sollten auch nur solche registrierten Vermieter über Online-Portale ihre Räume anbieten dürfen. Derzeit gibt es in Berlin rund 140 000 Hotelbetten und bereits 45 000, die Airbnb-Nutzer anböten. Auch in der beliebten deutschen Hauptstadt nagen die privaten Vermieter schon deutlich an den Wurzeln des althergebrachten Gastgewerbes.

Genervt sind die Herbergseigentümer auch von einer anderen Art "Trittbrettfahrer" im Internet: Buchungsportale, die Geld damit verdienen, die Leistungen der Hotels anzubieten. Einerseits sei man "sehr interessiert an einer Zusammenarbeit" mit Unternehmen wie Booking.com und HRS, weil immer mehr Reisende sie nutzten, sagt Dreesen. Die Preise wolle man sich aber von diesen Partnern nicht diktieren lassen. Deshalb werde man weiter gegen Klauseln vorgehen, die zum Beispiel vorsehen, dass das günstige Angebot für ein Zimmer nur bei einem bestimmten Portal zu finden sein darf.
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