Ifo-Index fällt
Wirtschaft sorgt sich um Zukunft

Der scheidende Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Bild: dpa
München. Die Furcht vor einem Abwärtssog in der Weltwirtschaft macht sich in den deutschen Chefetagen breit. Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel überraschend deutlich von 108,6 Punkten im Dezember auf 107,3 Punkte im Januar. Das ist der tiefste Stand seit Februar vergangenen Jahres. "Die deutsche Wirtschaft blickt erschrocken ins neue Jahr", sagte der scheidende Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

Ihre aktuelle Geschäftslage schätzten die Unternehmen im Januar zwar nur etwas schlechter ein. Der entsprechende Index gab von 112,8 auf 112,5 Punkte nach. Auf die kommenden sechs Monate blicken die Unternehmen aber deutlich skeptischer. Der Erwartungsindex sank von 104,6 auf 102,4 Zähler.

Zukunftssorgen zeigten sich vor allem in der Industrie, deren Stimmung auf den tiefsten Stand seit einem Jahr fiel. Zwar profitiere die chemische Industrie vom niedrigen Ölpreis, doch machten die schlechten Exportaussichten beispielsweise dem Maschinen- und Fahrzeugbau zu schaffen, erklärte Sinn. Im Einzelhandel blieb die Stimmung nahezu unverändert, und im Großhandel verbesserte sie sich sogar etwas. In der Bauwirtschaft dagegen sorgten skeptischere Zukunfts- erwartungen für eine Eintrübung.

Ermutigende Worte kamen derweil von der Bundesbank: Der Aufschwung in Deutschland wird nach ihrer Einschätzung in diesem Jahr an Tempo gewinnen. Die Experten erwarten bei anhaltend niedrigen Ölpreisen weiteren Rückwind für die Nachfrage im Inland. Auch einige Bank-Volkswirte sehen noch keinen Grund für allzu große Sorgen. Die tatsächliche Situation sei nicht so schlecht wie es der Rückgang des Ifo-Index andeute, meinte etwa Stefan Kipar von der Bayern-LB. Dennoch mehrten sich die "Abwärtsrisiken" für die deutsche Konjunktur.

Aus Sicht von KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner lassen sich die Unternehmer vor allem durch die Finanzmärkte verunsichern. "Dabei zeigen die meisten Frühindikatoren in eine andere Richtung. Im Inland deutet alles auf anhaltendes Wachstum hin: Beschäftigung, Haushaltseinkommen und Nachfrage steigen", erklärte er.

Der Ifo-Index gilt als wichtigster Frühindikator der deutschen Wirtschaft. Er wird monatlich durch die Befragung von rund 7000 Unternehmen aus Industrie, Einzel- und Großhandel und Bauwirtschaft ermittelt.
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