Ifo-Institut: Flüchtlinge schieben deutsche Konjunktur an - Deutsche-Bank-Chefvolkswirt sieht ...
"Das Zweitbeste, was Deutschland passieren konnte"

Hans-Werner Sinn, der Präsident des Ifo- Instituts für Wirtschaftsforschung, beurteilt die Chancen der Flüchtlinge auf dem deutschen Arbeitsmarkt skeptisch. Die Integration in den Arbeitsmarkt werde "extrem schwierig sein". Bild: dpa
Die Wirtschaftsforscher des Ifo-Instituts rechnen auch als Folge der vielen Flüchtlinge in Deutschland im kommenden Jahr mit einem etwas stärkeren Wachstum. Die Münchner Ökonomen sagen ein Plus des Bruttoinlandsprodukts von 1,9 Prozent voraus, im Jahr 2017 sollen es dann 1,7 Prozent sein. Die Gründe seien außer den staatlichen Konsumausgaben für die Flüchtlinge der niedrige Ölpreis und die weiterhin niedrigen Zinsen. Das sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser am Mittwoch in Berlin. "Die Rahmenbedingungen für die deutsche Wirtschaft sind äußerst günstig", fügte er hinzu.

Auch Skepsis

Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn sagte, die rund 20 Milliarden Euro, die der deutsche Staat 2016 für die Aufnahme und Integration der Flüchtlinge ausgeben werde, seien "in vollem Umfang gesamtwirtschaftliche Nachfrage": "Das ist ein temporärer konjunktureller Effekt vielleicht für zwei, drei Jahre." Zu den Chancen der Neuankömmlinge auf dem deutschen Arbeitsmarkt äußerte Sinn sich indes skeptisch. Ein Großteil von ihnen komme "aus Ländern mit einem nicht funktionierenden Bildungssystem". Die Integration in den Arbeitsmarkt werde "extrem schwierig sein". Das Ifo-Institut sagt deshalb nach jahrelangem Rückgang wieder einen Anstieg der Arbeitslosenzahl voraus - zunächst gering um 23 000 im Jahr 2016, dann aber kräftiger um etwa 300 000 im Jahr 2017.

Schub für den Konsum

Das alternde Deutschland wird auch nach Einschätzung der Deutschen Bank langfristig vom Flüchtlingszustrom profitieren. "Die Flüchtlinge sind das Beste, was Deutschland passieren konnte", sagte der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, David Folkerts-Landau, am Dienstagabend in Frankfurt. "Sie werden Deutschland positiv verändern - auch wenn mir bewusst ist, welche Herausforderung es ist, Hunderttausende Menschen aufzunehmen. Die wichtigste Aufgabe dabei ist es, diese Menschen möglichst schnell in den Arbeitsmarkt zu integrieren." Kurzfristig erwarten die Ökonomen wegen des Zuzugs Hunderttausender Menschen einen Schub für den Konsum als wichtigste Konjunkturstütze in Deutschland - unter anderem, weil der Staat für die Unterbringung und Versorgung der Menschen viel Geld in die Hand nehmen muss. Die zusätzlichen Ausgaben infolge der Zuwanderung könnten laut Prognosen im nächsten Jahr 0,25 Prozentpunkte zum Wachstum beitragen.

Auch auf lange Sicht sieht Folkerts-Landau Chancen für die deutsche Wirtschaft durch die Flüchtlinge. "Das ist nach der Wiedervereinigung das Zweitbeste, was Deutschland passieren konnte, um seine Perspektiven zu verbessern und zukunftsfähig zu bleiben."
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