IG Metall mit neuer Führungsspitze

Jörg Hofmann und Christiane Benner bilden das neue Führungsduo der IG Metall. Bild: dpa

Erstmals eine Frau und wieder ein Mann aus Baden-Württemberg. Dieser Vorschlag für die Spitze der IG Metall kam an. Jörg Hofmann und Christiane Benner wurden mit hoher Zustimmung gewählt.

Die IG Metall hat sich ein runderneuertes Führungs-Duo an die Spitze gewählt. Der bisherige Vize Jörg Hofmann wurde am Dienstag beim Gewerkschaftstag in Frankfurt mit großer Mehrheit von 91,3 Prozent zum neuen Ersten Vorsitzenden gewählt. Der 59 Jahre alte Diplom-Ökonom aus Esslingen ist nach zwei Jahren als Stellvertreter nun Nachfolger des aus dem Vorstand ausscheidenden Detlef Wetzel.

Erfahrener Tarifexperte

Hofmann gilt als sehr erfahrener Tarifexperte. Er hat so ziemlich an jedem wichtigen Tarifabschluss der vergangenen Jahrzehnte mitgewirkt. Altersteilzeit, Arbeitszeitkonten, Sonderregeln für ertragsschwache Unternehmen im "Pforzheimer Abkommen", eine komplett neue Entgeltsystematik (ERA) für die Metall- und Elektroindustrie oder die tarifliche Absicherung von Leiharbeitern sind Themen, die Hofmann für sich verbuchen kann.

Als erste Frau in der Geschichte der fast 125 Jahre alten Gewerkschaft wurde zudem Christiane Benner in die engste Führungsspitze geschickt. Mit 91,9 Prozent Zustimmung erhielt die Soziologin bei ihrer Wahl zur Zweiten Vorsitzenden noch mehr Stimmen als Hofmann, der sich aber im Vergleich zum Wahlgang 2013 schon um mehr als 13 Prozentpunkte verbessert hatte. Die 47-Jährige hat bereits seit vier Jahren im geschäftsführenden Vorstand der größten deutschen Gewerkschaft zukunftsträchtige Themen wie die Digitalisierung bearbeitet.

Auch bei der Bestätigung des Hauptkassierers Jürgen Kerner zeigten die Delegierten große Einigkeit und statteten ihn mit dem höchsten Ergebnis von 98,5 Prozent Zustimmung aus. Die Amtszeit der insgesamt sieben hauptamtlichen Vorstandsmitglieder beträgt vier Jahre bis zum nächsten ordentlichen Gewerkschaftstag der IG Metall. Auch die ehrenamtlichen Vorstandsmitglieder wurden nach den Vorschlägen der Bezirke gewählt.

Kritik am VW-Management

Die IG Metall und der VW-Betriebsrat gehen im Abgas-Skandal mit dem bisherigen Management des Autobauers hart ins Gericht. "Fehler dürfen nicht unter den Teppich gekehrt werden, sondern müssen benannt, analysiert und abgestellt werden", kritisierten Gewerkschaft und Arbeitnehmervertretung am Dienstag in einer Stellungnahme auf dem Gewerkschaftstag. Mit Blick auf die Manipulations-Software in Dieselfahrzeugen, die bei Abgastests die tatsächlichen Werte schönte, heißt es in dem Schreiben, dass eine offenere und transparentere Führungskultur ein dringend benötigter Schlüssel sei: "Zielkonflikte, beispielsweise zwischen Kostenvorgaben und technischen Lösungen, können nur so bearbeitet werden und ein Ausgangspunkt für bessere Lösungen sein."

Die Unternehmensseite habe "lange an starren Strukturen festgehalten. Noch heute wird bei Volkswagen in den Führungsebenen zu sehr in Marken und Bereichen gedacht", kritisierte die Gewerkschaftsseite.
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