IG Metall sieht in Abbau der Produktion ersten Schritt einer völligen Verlagerung ins ...
Protest gegen Stellenabbau bei Siemens

Auch der Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD, rechts), war am Mittwoch bei einer Demonstration der IG Metall Bayern für den Erhalt von Produktionsarbeitsplätzen bei Siemens in Deutschland dabei. Bild: dpa

München/Nürnberg/Ruhstorf. Zahlreiche Siemens-Beschäftigte haben am Mittwoch ihrem Unmut über die geplanten Einschnitte in der Sparte Prozessindustrie und Antriebe Luft gemacht. Bei Kundgebungen in Nürnberg, Bad Neustadt/Saale sowie Ruhstorf nahe Passau pochten IG Metall und Vertreter des Betriebsrates auf einen Erhalt von Produktionsarbeitsplätzen bei Siemens in Deutschland. "Wenn erst einmal die Produktion raus ist, folgen bald Service und Vertrieb, und schließlich die Entwicklung", warnte IG-Metall-Bezirkschef Jürgen Wechsler. Von Siemens-Chef Joe Kaeser verlangte Wechsler einen vorläufigen Verzicht auf die geplanten Verlagerungen, bis es für die betroffenen Standorte tragfähige Alternativen gebe.

Der Konzern hatte angesichts der Nachfrageflaute in der Öl- und Gasbranche die Streichung oder Verlagerung von weltweit 2500 Jobs in der Sparte Prozessindustrie und Antriebe angekündigt, davon rund 2000 in Deutschland. Betroffen sind vor allem die bayerischen Standorte der Sparte. Siemens begründet die Maßnahmen mit Preisdruck und Überkapazitäten. Den Vorwurf der Gewerkschaft, schleichend Produktion aus Deutschland abzuziehen, hatte der Konzern zurückgewiesen. Auf Marktentwicklungen wie Preisdruck und Überkapazitäten in der Sparte Prozessindustrie und Antriebe müsse man reagieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben, sagte Siemens-Personalchefin Janina Kugel in München. Den von den Einschnitten in der Sparte betroffenen Beschäftigten wolle man aber möglichst Alternativen anbieten. Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern verliefen "konstruktiv, aber auch kontrovers", sagte Kugel. Als konkrete Alternative werde den Mitarbeitern beispielsweise ein Wechsel in das neue Windkraft-Werk von Siemens in Cuxhaven angeboten. Siemens investiert in die Fertigungsstätte für Maschinenhäuser für Windkraftanlagen rund 200 Millionen Euro und will bis zu 1000 Jobs schaffen. Es gebe sicherlich Familien oder Mitarbeiter, die nicht ohne weiteres an einen anderen Standort umziehen könnten, aber man wolle versuchen, den Beschäftigten auch im Austausch mit der Politik eine Perspektive zu geben. Dazu gehörten die geplante Modellfabrik für digitale Anwendungen und das künftige Kompetenzzentrum für Elektromobilität in Bad Neustadt. Wie viele Arbeitsplätze sich dadurch erhalten lassen werden, sei aber noch nicht absehbar.
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