IG Metall will Bildungsteilzeit

Eine schwierige Tarifrunde zeichnet sich in der Metall- und Elektroindustrie ab. Die Arbeitgeber sperren sich gegen das von der IG Metall erstmals vorgeschlagene Modell zur Bildungsteilzeit.

5,5 Prozent mehr Geld sowie bezahlte Teilzeit für Ältere und Fortbildungswillige - mit diesem Forderungspaket zieht die IG Metall voraussichtlich in die anstehenden Tarifverhandlungen für die rund 3,7 Millionen Beschäftigten der deutschen Metall- und Elektroindustrie. Die am Dienstag in Frankfurt vorgestellte Empfehlung des Gewerkschaftsvorstands liegt in der Mitte der von den regionalen Tarifkommissionen genannten Spanne.

Im vergangenen Jahr hatte die Gewerkschaft ebenfalls 5,5 Prozent für zwölf Monate verlangt. Endgültig festgelegt wird die bundesweite Forderung der IG Metall nach erneuten Beratungen in den Bezirken und im Vorstand am 27. November. Erste Verhandlungsrunden sind am 14. Januar 2015 in Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen angesetzt, die alle auch als spätere Pilot-Bezirke infrage kommen. Zusätzlich sollen verbesserte Bedingungen zur Altersteilzeit und zu einer neuartigen Bildungsteilzeit durchgesetzt werden. "Zum guten Leben ist mehr nötig als Geld", sagte IG-Metall-Chef Detlef Wetzel.

Attraktive Abschlüsse

Bei der Bildungsteilzeit geht es darum, dass sich Beschäftigte mit Lohnausgleich für Weiterbildungen freistellen lassen könnten. Das Angebot soll sich insbesondere an frisch Ausgelernte sowie an Un- und Angelernte wenden, die es mit zunehmender Digitalisierung schwer hätten, sich auf den Industriearbeitsplätzen zu halten. Sie sollen Facharbeiterabschlüsse erwerben, die auf dem Arbeitsmarkt nachgefragt werden.

Die zur Verfügung stehenden Mittel zur bereits laufenden Altersteilzeit würden nicht in allen Betrieben ausgeschöpft, erläuterte der Zweite IG-Metall-Vorsitzende Jörg Hofmann. Mit gestaffelten Lohnausgleichszahlungen sollten künftig untere Lohngruppen stärker unterstützt werden, die bislang kaum die Möglichkeiten zum früheren Ausscheiden nutzten.

Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger erklärte hingegen, eine Bildungsteilzeit sei angesichts der mehr als acht Milliarden Euro, die die Unternehmen der Branche jährlich für Weiterbildung aufwendeten, nicht nur überflüssig, sondern auch ungerecht: "Bei einer bezuschussten Bildungsteilzeit würde letztendlich der Schichtarbeiter dem Ingenieur das Masterstudium bezahlen." Mit ihrer Empfehlung schüre die IG Metall Illusionen bei den Beschäftigten über die vorhandenen Spielräume in der Tarifrunde.

Warnstreiks im Februar?

IG-Metall-Chef Wetzel begründete die Entgelt-Forderung mit der trotz abgeschwächter Prognosen weiterhin stabilen Konjunktur der Branche und der deutschen Wirtschaft insgesamt. Der Flächentarif läuft zum Jahresende aus, die Friedenspflicht endet in den allermeisten Tarifgebieten am 28. Januar 2015. Danach sind Warnstreiks in der deutschen Schlüsselindustrie möglich. Parallel wird der neue Haustarifvertrag für etwa 100 000 Beschäftigte bei Volkswagen verhandelt. Die IG Metall verspricht sich davon eine höhere Durchsetzungskraft. (Kommentar)
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