Ikea rückt ran

Das Ikea-Einrichtungshaus in Hamburg-Altona ist das erste in Deutschland, das nicht in einem Industriegebiet steht, sondern in einer Innenstadt. Bilder: dpa

Die Möbelhäuser des schwedischen Riesen findet man bisher fast ausschließlich in Gewerbegebieten. In Innenstadtnähe will das Unternehmen künftig mehr Kunden in Deutschland gewinnen - und plant weitere Neuerungen.

Der Möbelriese Ikea will auf seinem wichtigsten Markt Deutschland näher an seine Kunden rücken und dadurch weiter wachsen. Mit Häusern näher an der Innenstadt, drahtlosen Handy-Ladestationen in Möbeln und Gemüsebällchen buhlen die Schweden dabei auch um die Kaufkraft junge Städter.

Test in Hamburg

"Wenn wir früher Ikea-Häuser gebaut haben, dann haben wir nach einem Autobahnkreuz gesucht und den Laden dorthin gesetzt, weil die ganze Gesellschaft auf Autos ausgerichtet war", sagte Konzernchef Peter Agnefjäll. "Heute sind wir natürlich an einer guten Erreichbarkeit für Autos interessiert. Aber es ist in Zukunft noch wichtiger, dass es eine gute Erreichbarkeit mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln gibt."

Manchmal bedeute das, dass die Geschäfte näher an den Innenstädten lägen. "Manchmal gibt es auch um die Städte herum eine gut ausgebaute Verkehrssituation, auch danach suchen wir." Für diese Art von Geschäften sei das Möbelhaus in Hamburg-Altona, das nur wenige Minuten Fußweg entfernt vom Bahnhof liege, ein Test - über dessen Erfolg Agnefjäll allerdings noch nichts verraten wollte.

"Aber es ist interessant, die Reaktionen der Kunden zu sehen - was funktioniert, was weniger gut", sagt der Ikea-Chef über das Kaufverhalten der Städter. "Was wir normalerweise sehen, wenn wir an Orten sind, die bequemer zu erreichen sind, ist, dass die Leute öfter kommen. Dann kaufen sie nicht alle zwei Monate ein neues Sofa."

Stattdessen besuchen sie öfter das Ikea-Restaurant. Auch dort passt sich der Möbelriese an eine urbane, junge Käuferschaft an: Im Restaurant werden seit April vegane Gemüsebällchen neben den bekannten fleischhaltigen Köttbullar serviert. "Das ist eine größere Sache, als es klingen mag, weil wir dem Fleischbällchen und dem Hot Dog so verbunden sind", sagte Agnefjäll. "Aber was wir bis jetzt sehen, ist, dass es ein großes Kundeninteresse gibt."

Keine Angst um Köttbullar

Heute wollten sich mehr Menschen gesund ernähren, als das vor 15 oder 20 Jahren der Fall gewesen sei. Die Gemüsebällchen sind zudem Teil der Nachhaltigkeitsstrategie bei der Möbelkette. Dabei war der Gedanke an vegetarische Kost für Agnefjäll selbst eine Umstellung: "Ich bin mit den Fleischbällchen geboren, so haben meine Eltern gekocht."

Fleischesser müssen sich aber zunächst noch keine Sorgen machen, dass den Köttbullar das Aus droht. "Ich denke, heute geht es darum, Optionen zu schaffen. Wir haben die Köttbullar noch, aber wir bieten auch die Veggie-Bällchen an", sagte Agnefjäll.
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