Im internationalen Vergleich weniger private Bauherren
Deutschland bleibt Mieterland

Zahlreiche Häuser einer Wohnanlage in München. Bild: dpa

Die Mehrheit mietet. Da ist Deutschland im europäischen Vergleich Spitzenreiter. Eigentlich könnten die niedrigen Zinsen das ändern. Doch im Gegenteil: Private Bauherren sterben eher aus.

Berlin. Das Häuschen im Grünen bleibt für Millionen Bundesbürger ein Traum. Deutschland ist Mieterland - und bleibt es wohl auch. Denn anders als Experten erwarteten, setzten junge Leute zuletzt trotz niedriger Zinsen nicht plötzlich auf Hausbau oder Wohnungskauf. Eigentum wird bei ihnen sogar seltener, obwohl die eigene Immobilie als guter Schutz gegen Geldnot im Alter gilt. Einige Fragen und Antworten zum Thema:

Wie viele Menschen wohnen in Deutschland zur Miete?

Das Statistische Bundesamt hat länger nicht nachgezählt. Nach den aktuellsten Daten zahlten vor drei Jahren 57 Prozent der Haushalte Miete. Das hat sich nach Erkenntnissen der Landesbausparkassen seitdem auch nicht geändert. Im Osten ist die Quote etwas höher, im Westen etwas niedriger.

Gibt es in Deutschland ungewöhnliche wenig Eigentümer?

Nach Zahlen des europäischen Statistikamts Eurostat schon. Seine Bezugsgröße sind die Einwohner, nicht die Zahl der Haushalte. Es kommt für Deutschland auf eine Eigentümer-Quote von knapp 53 Prozent. In Frankreich und den Niederlanden waren es mehr als 65 Prozent, in Italien knapp 75, in Spanien sogar fast 80 Prozent. Ein Grund für Deutschlands Position ist der Wiederaufbau nach dem Krieg, den in den Städten vielfach große, oft öffentliche Unternehmen und Genossenschaften stemmten. Sie vermieteten die Häuser anschließend.

Wer wohnt hierzulande in der eigenen Immobilie?

Vor allem Ältere. Mehr als jeder zweite Haushalt mit über 70-Jährigen hat Studien zufolge Wohneigentum. Das ist mehr als Anfang der 90er-Jahre. Bei den Jüngeren dagegen sind die Zahlen rückläufig. Knapp 70 Prozent der 18- bis 45-Jährigen mieten.

Was hält Berufsanfänger vom Kaufen ab?

Forscher begründen das mit mehr Single-Haushalten und einer Landflucht in die mieter-dominierten Städte. Eine große Rolle spielt die Berufslaufbahn: In den 50er Jahren waren die meisten Menschen noch vor ihrem 20. Geburtstag in Lohn und Brot - und damit in der Lage, für Haus oder Wohnung zu sparen. Heute verschiebt sich das. Studium, befristete Verträge, viele Ortswechsel: Da hat man es als Mieter leichter. "Wenn ich als junger Mensch nicht weiß, wo ich beruflich bleibe, kann ich mit der eigenen Wohnimmobilie eigentlich nichts anfangen", sagt Matthias Günther, Vorstand des Pestel-Instituts für Systemforschung. Doch wer bis 45 nicht gekauft habe, schaffe es meist nicht mehr.

Warum ändern die niedrigen Zinsen nichts?

Viele Eigentümer leben nach Berechnung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) günstiger als Mieter. "Das große Problem ist der Kapitalbedarf", sagt Michael Voigtländer, IW-Immobilienexperte. Wer Baukredite aufnehmen wolle, müsse 25 bis 30 Prozent der Kaufsumme gespart haben. "Das ist einfach zu viel für viele Haushalte." Das Pestel-Institut führt in einer am Montag vorgelegten Studie für mehre Verbände der Bau- und Immobilienbranche weitere Hemmnisse auf: Baulandmangel, hohe Grunderwerbsteuern, Gebühren und Maklerkosten. Haushalte mit netto 1500 bis 2600 Euro Einkommen im Monat könnten da nicht mithalten. Diese haben die Verbände als Ziel einer neuen Eigentumsförderung ausgemacht - nicht ganz uneigennützig, wie manche Vertreter zugeben. Denn sie leben vom Bau und Verkauf von Immobilien.

Was tut die Politik?

Sie hat vor Jahren die Eigenheimzulage abgeschafft, die dazu beigetragen hatte, dass die Schlafstädte abseits der Zentren wuchsen und die Pendlerzahlen stiegen. Nun gibt es Pläne, Käufern wieder zu helfen. Die Union überlegt, das Baukindergeld wiederzubeleben und will auch an die Grunderwerbssteuer ran. Das SPD-geführte Bauministerium denkt über Eigenkapitalzuschüsse nach. Aber es ist noch nichts spruchreif.

Wie geht es mit den Zinsen weiter?

Schwer zu sagen. Die Vorsitzende der US-Notenbank Fed, Janet Yellen, deutete gerade an, eine Anhebung der seit Monaten niedrigen Leitzinsen könne "relativ bald" angemessen sein. Damit könnte auch die Zeit extrem günstiger Baukredite enden. Nach Angaben der Frankfurter Finanzberatung FMH haben seit der Wahl in den USA mehr als 20 Banken in Deutschland die Zinsen für Baukredite aller Laufzeiten angehoben. "Wir erwarten aber keine Zinswende", sagt IW-Experte Voigtländer.
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