Immer mehr Menschen in ungesicherten Jobs

Im vergangenen Jahr waren in Deutschland rund 7,5 Millionen Menschen in Minijobs tätig. Archivbild: dpa

Sichere Arbeitsplätze sind in vielen Ländern eher die Ausnahme: Weltweit hat nur ein Viertel aller Erwerbstätigen sozial abgesicherte Jobs. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) warnt vor wachsender Armut.

Trotz wirtschaftlichen Wachstums nimmt die Zahl sozial ungesicherter Beschäftigungsverhältnisse der ILO zufolge weltweit weiter zu. Dazu zählten in Deutschland und anderen Ländern auch Minijobs und andere Formen geringfügiger Beschäftigung. Folgen des Trends zu instabilen oder prekären Beschäftigungsverhältnissen seien sinkende Einkommen und wachsende Armut, warnte die ILO in ihrem am Dienstag in Genf veröffentlichten Weltarbeitsmarktbericht.

Ein Teufelskreis

Den Angaben zufolge haben rund 75 Prozent aller Erwerbstätigen zeitlich befristete oder informelle Jobs oder leisten unbezahlte Arbeit in kleinen Familienunternehmen. Mehr als 60 Prozent aller Arbeitnehmer hätten keinen Beschäftigungsvertrag, beklagt die UN-Sonderorganisation für soziale Gerechtigkeit und Arbeitsrecht. Ohne staatliche Gegensteuerung werde sich ein "Teufelskreis aus schwacher globaler Nachfrage und langsamen Jobaufbau der Nach-Krisen-Zeit verstetigen", warnen die ILO-Experten. In vielen Staaten würden Menschen von Arbeitgebern in eine Pseudo-Selbstständigkeit gedrängt, oder seien in unbezahlter Familienarbeit beschäftigt, heißt es in dem ILO-Bericht. Insgesamt sei diese Tendenz steigend. Besonders betroffen seien die Entwicklungsländer: In Südasien und in Afrika südlich der Sahara seien lediglich zwei von zehn Arbeitnehmern regulär angestellt, in Industrieländern dagegen acht von zehn. Problematisch sei auch der weitere Anstieg der Teilzeitarbeit, besonders von Frauen.

ILO-Generaldirektor Guy Ryder räumte ein, dass selbst prekäre Beschäftigungsverhältnisse einigen Menschen zwar einen Zugang zum Arbeitsmarkt überhaupt erst ermöglichten. Sie brächten aber auch erhebliche Unsicherheiten mit sich und seien "mindestens teilweise für wachsende Armut und Ungleichheit in vielen Ländern verantwortlich".

Insgesamt nahm laut ILO die Zahl der Arbeitslosen seit dem Ausbruch der Wirtschaftskrise 2008 bis heute deutlich zu. Als Reaktion darauf hätten einige Regierungen - vor allem in Europa - den Arbeitnehmerschutz verringert, um für Unternehmen Anreize zur Einstellung von Personal zu schaffen. Die ILO geht davon aus, dass sich solche Maßnahmen längerfristig eher kontraproduktiv auf Beschäftigung und Erwerbsbeteiligung auswirken. Handlungsbedarf sieht die ILO besonders bei Sozialschutzprogrammen wie Arbeitslosenversicherungen. Davon würden bislang praktisch nur regulär Beschäftigte profitieren. Auch seien Alterssicherungsprogramme bei Selbstständigen selten.

Weniger Minijobs

In Deutschland waren laut ILO-Bericht im Jahr 2014 rund 7,5 Millionen Menschen in Minijobs tätig. Fast jeder fünfte Erwerbstätige habe in der Bundesrepublik im vergangenen Jahr lediglich einen 450-Euro-Job gehabt und sei nur teilweise sozialversichert gewesen. Seit der Einführung des Mindestlohns zum Jahresbeginn sind in Deutschland mindestens 237 000 gewerbliche Minijobs verschwunden. Das geht aus dem Quartalsbericht der Minijobzentrale in Bochum hervor. Besonders betroffen seien die ostdeutschen Bundesländer.
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