Industrie warnt: Steigende EEG-Umlage Gefahr für Standort Deutschland
Mehr bezahlen für die Energiewende

Verbraucher müssen für die Energiewende noch etwas darauflegen. Die sogenannte EEG-Umlage steigt erneut. Der Industrieverband BDI warnt, Energiekosten würden zu einem Standortproblem für die Wirtschaft.

Berlin. Verbraucher müssen zur Förderung von Strom aus Windkraft und Sonne wohl auch im nächsten Jahr tiefer in die Tasche greifen. Die sogenannte Ökostrom-Umlage wird von 6,35 Cent auf 6,88 Cent pro Kilowattstunde angehoben. Das teilten die Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, Amprion, Tennet und TransnetBW am Freitag mit.

Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Ulrich Grillo, nannte den Anstieg der Kosten für erneuerbare Energien ein Alarmsignal. "Energiekosten werden für die Industrie zu einem echten Standortproblem." Grillo bemängelte, die versprochene Kostenbremse des Bundeswirtschaftsministeriums sei Wunschdenken. Die Industrie- und Handelskammern in Bayern rechnen mit Mehrkosten von einer halben Milliarde Euro im nächsten Jahr. "Für die Wirtschaft im Freistaat entwickelt sich die Energiewende immer mehr zum Fass ohne Boden und damit zum Risikofaktor für den Standort", kritisierte Peter Driessen, der Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags.

Auch Netzentgelte steigen


Katherina Reiche, Hauptgeschäftsführerin des Verbandes kommunaler Unternehmen, sagte: "Die Kosten für die Umsetzung der Energiewende machen sich nicht mehr nur in der gestiegenen EEG-Umlage bemerkbar, sondern immer stärker durch die Steigerung der Netzentgelte." Sie mahnte einen intelligenten Netzausbau und einen besseren lokalen Ausgleich von Stromerzeugung und -verbrauch an. Die EEG-Umlage wird als Differenz zwischen dem Preis, den Stromerzeuger für ihren Strom bekommen, und den garantierten Abnahmepreisen für Ökostrom berechnet. Je niedriger der Börsenpreis, den Energiekonzerne zahlen müssen, desto höher die Umlage. Was der Anstieg der Umlage für Haushalte konkret bedeutet, ist kaum zu berechnen. Es kommt darauf an, ob die Konzerne fallende Börsenstrompreise an die Kunden weitergeben.

Bayern und Nordrhein-Westfalen wollen die steigenden Kosten der Energiewende mit einem Fonds unter Kontrolle bringen. Die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) und ihr Düsseldorfer Amtskollege Garrelt Duin (SPD) erklärten am Freitag, sie wollten die EEG-Umlage auf höchstens 6,5 Cent pro Kilowattstunde deckeln. Erreicht werden soll die Deckelung mit Hilfe eines kreditfinanzierten "Streckungsfonds".

Durch Kredite bezahlen


Das Modell sieht vor, einen Teil der Milliardenkosten für die Ökostrom-Subventionen bis 2028 durch Kredite zu bezahlen. Nach 2028 werden die Kosten der EG-Umlage voraussichtlich wieder unter 6,5 Cent sinken, weil die Zuschüsse für die Betreiber von Ökostrom-Anlagen auf 20 Jahre befristet sind. Dennoch sollen Bürger und Unternehmen anschließend noch viele Jahre die 6,5 Cent weiterzahlen. Und mit den so erzielten Einnahmen soll dann der Streckungsfonds seine Kredite wieder abzahlen.
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