Internet bleibt aber eine mächtige Konkurrenz - Deutscher Markt wächst 2014 um sechs Prozent
"Reisebüro hat noch nicht ausgedient"

Das diesjährige Partnerland der Internationalen Reisemesse ITB, die Mongolei, sorgt für einen exotischen Farbtupfer. Bild: dpa
Es galt eigentlich als ausgemachte Sache: Die Reisebüros erwartet ein ähnliches Schicksal wie die Buchhändler. Ihre Zahl wird kontinuierlich sinken, ein kleiner Rest mit wenigen großen Ketten an der Spitze bald nur noch ein Schattendasein fristen in einem Markt der Online-Portale. Da klingt ein Satz schon mutig, wie ihn der Vorstandschef des Reisekonzerns Tui, Friedrich Joussen, unlängst aussprach: "Das Reisebüro hat noch nicht ausgedient."

Es gibt Indizien, die seine These stützen. Die jüngsten Marktdaten zeigen: Reisebüros haben eine Chance, doch sie werden ihre Internet-Auftritte noch stärker als bisher als Vertriebskanal nutzen müssen. Ermutigend für die Reisebüros ist die Tatsache, dass ihre Zahl im vorigen Jahr erstmals seit zehn Jahren wieder anstieg, um 100 auf 9829 Filialen.

Der Zuwachs kommt vor allem durch jene Reisebüros zustande, die mindestens zwei Veranstalterlizenzen besitzen. Deutlich schwerer haben es kleine Büros mit nur einer solchen Lizenz. Sie sind zu Teil auf Nischenmärkte wie exotische Fernreisen spezialisiert. Und sie werden kräftig entstaubt: Statt Schalter und Büro sind lauschige Sitzecken und Bistro-Stil angesagt. So gestaltet etwa der Tui-Konzern einen Teil seiner Hapag-Lloyd- und First-Reisebüros um.

Keine Renaissance

Dem Chef des Verbandes Internet Reisevertrieb, Michael Buller, gefällt es aber nicht, wenn von einer Renaissance der Reisebüros gesprochen wird. "Die Botschaft ist falsch. Die Digitalisierung geht weiter", sagte er am Mittwoch auf der Reisemesse ITB. Die Branche in Deutschland stehe noch ziemlich am Anfang, was die Vermarktung per Internet angehe. Doch schon jetzt sei es der große Treiber. 2014 sei der deutsche Reisemarkt um 6 Prozent gewachsen, online jedoch um 13 Prozent, rechnet der Internet-Vertriebsspezialist vor. Der Anteil der Internet-Buchungen, einschließlich der Online-Reisebüros, lag 2014 bei 39 Prozent - Tendenz steigend.

Für die Reisebüros gilt es daher, ihren Online-Vertrieb parallel aufzubauen, um möglichst viele Kundengruppen ansprechen zu können. Die jüngste Studie zum Reisemarkt zeigt etwa, dass die Gruppe der älteren und betuchten Urlauber stetig größer wird. Diese gehen noch eher in ein Reisebüro als jüngere, die häufiger übers Handy buchen. Berater aus Fleisch und Blut werden dann gefragt sein, wenn es um komplexe Reisen oder um Sonderwünsche geht. Dann geht es im Laden mitunter schneller als beim Durchklicken durch das Riesenangebot des Internets.
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