Interview mit Prof. Dr. rer nat. Andreas Hornung: Biobatterie wandelt Energie in biogene ...
Biobatterie aus der Oberpfalz

Noch steht die "Bio-batterie" nur in Sulzbach-Rosenberg. Professor Dr. Andreas Hornung ist überzeugt, dass die bereits erprobte Anlage bald in die Serienfertigung geht. Bild: Fütterer

Forscher-Geist aus Sulzbach-Rosenberg ist mitentscheidend für den Erfolg der Energiewende. Vor der Pilotierung und dem internationalen Marktdurchbruch steht die "Biobatterie" aus der Oberpfalz. Das unweit der alten Maxhütte angesiedelte Institut Fraunhofer Umsicht besitzt sozusagen den "Schlüssel" für die Speicherung der volatilen Energien.

Sulzbach-Rosenberg. (cf) Wohin mit dem Überschuss-Strom aus Photovoltaik und Windkraft? Die "Biobatterie" wandelt diese überschüssige Energie über biogene Reststoffe (etwa organischen Abfall wie Grasschnitt oder Klärschlamm) durch einen thermo-katalytischen Prozess in Öl, Gas oder Biokoks um. Derzeit belastet Überschuss-Strom noch die Netze der Nachbarländer und an sonnen- bzw. windreichen Tagen muss er sogar verschenkt werden.

Kopf des Projekts ist der Leiter von Fraunhofer Umsicht in Sulzbach-Rosenberg, Professor Dr. rer. nat. Andreas Hornung. Das Interview mit dem renommierten Wissenschaftler, der an den Universitäten Nürnberg, Birmingham und Bologna lehrt, führte Clemens Fütterer.

In welchem Stadium ist jetzt das Projekt "Biobatterie", was sind die nächsten Schritte?

Professor Dr. Hornung: Wir wollen eine effiziente, wirtschaftliche und nachhaltige Lösung erreichen. Durch die Erhitzung der biogenen Reststoffe auf bis zu 450 Grad im thermo-katalytischen Prozess verbleiben keine nennenswerten Belastungen für die Umwelt. Dieser Aspekt spielt in dem neuen Verfahren eine maßgebliche Rolle. Auch die Rückgewinnung von Phosphat im Klärschlamm für den Pflanzenbau ist ein Thema.

Privatinvestoren sagten bereits Fördermittel für die Installation der ersten großen Anlage Ende 2016 mit einem Umschlag von drei Tonnen in der Stunde zu. Die laufenden Gespräche für eine öffentliche Co-Finanzierung gestalten sich erfolgreich. Noch im Oktober diesen Jahres erwarten wir in Sulzbach-Rosenberg den Aufbau einer Anlage mit 300 Kilo in der Stunde; sie soll dann im Frühjahr 2016 zu einem Kunden in Nordrhein-Westfalen gehen. Bei unserem Sommerfest war Staatssekretär Bernd Sibler ganz begeistert von unserer in die Zukunft gerichteten Forschung, er sagte: "Es ist sensationell, was hier läuft ...".

Eignet sich die "Biobatterie" für die Speicherung von Photovoltaik-Strom auf dem Hausdach oder von Windenergie?

Hornung (lacht): Wir denken vor allem an Kommunen mit mehr als 15 000 Einwohner, die Industrie und große Agrarbetriebe. Möglich ist in Deutschland eine Pufferfähigkeit durch die "Biobatterie" in der Größenordnung von vier bis fünf Gigawatt - was der Leistung von zwei bis drei Atomkraftwerken oder aller 8000 deutschen Biogasanlagen entspricht.

Die "Biobatterie" kann dazu beitragen, dass die Problematik neuer Stromtrassen abgemildert wird. Sie ist wichtig für eine bezahlbare Energiewende. Wir sehen die "Biobatterie" als Zwischenprodukt für die Dezentralität der Energieversorgung in Deutschland. Wir müssen das Rad nicht neu erfinden. Jede "Biobatterie" lässt sich übrigens dezentral und flexibel mit der Recycling-Verwertung koppeln.

Was muss geschehen, damit die "Biobatterie" sobald wie möglich in Serienproduktion geht? Woran hakt's noch?

Hornung: Wir selber sind fertig, wir können morgen anfangen! Wir müssen jetzt die technische Skalierbarkeit der "Biobatterie" sauber dokumentieren und sie in einer Kommune mit wenigstens einer Leistung von einer Tonne pro Stunde pilotieren. Ich rechne damit, dass in spätestens drei Jahren - also 2018 - die "Biobatterie" in eigenen Fertigungslinien hergestellt wird, mindestens etwa 30 bis 35 Anlagen jährlich. Hier spielt unsere Ausgründung Susteen Technologies GmbH eine entscheidende Rolle. Die Nachfrage ist da, beispielsweise aus Italien an 50 Anlagen und aus Großbritannien 30. Eine "Biobatterie" mit einer Leistung von 300 Kilo pro Stunde kostet rund 1,5 Millionen Euro und amortisiert sich in viereinhalb Jahren. Wir werden ab Ende 2016 an unserem Standort in Sulzbach-Rosenberg zusätzlich 50 bis 60 Studenten und Techniker im Jahr für die "Bio-Batterie"-Anlagen ausbilden. Diese Erfolge sind dann auch auf das Centrum für Energiespeicherung zurückzuführen, welches mit Unterstützung des Freistaats Bayern hier in Sulzbach-Rosenberg und Straubing 2012 etabliert wurde.

Sie gelten als Wissenschaftler weltweit bestens vernetzt ...

Hornung: Die Internationalität ist die Plattform für den Zugang zum Markt, Ich lehre an der Universität Birmingham, allein hier besteht Kaufinteresse an 30 "Biobatterie"-Großanlagen für 300 Millionen Pfund. Daher müssen wir global vor Ort sein, auch um qualifiziertes Personal zu akquirieren. Übrigens besitzt der Name Fraunhofer einen wesentlich attraktiveren Klang als das frühere ATZ. Die internationale Kommunikation erfolgt durch zahlreiche wissenschaftliche Publikationen. So wurde eine Veröffentlichung von mir in den vergangenen Wochen mehr als 150 mal angeklickt. Das ist die Spitze in der gesamten Fraunhofer-Gruppe mit 66 Standorten. Die meisten Downloads erfolgten in den USA, China, Indien und Brasilien. Die neue Technik der "Biobatterie" aus Sulzbach-Rosenberg ist weltweit ein riesiges Thema.

Sie kamen 2012 von Birmingham in die Oberpfälzer Provinz. Was hat Sie zu diesem Schritt veranlasst?

Hornung : Der relativ schnelle Einstieg auf hohem Niveau gab für mich den Ausschlag, nach Sulzbach-Rosenberg zu gehen. Die Welt ist heute vernetzt. Egal, wo man lebt: Man muss sich nur bemerkbar machen.

Ihre Familie lebt in Karlsruhe, Sie sind die meiste Zeit auf Achse ...

Hornung: Jetzt bin ich langsam ausgelastet und froh, wenn ich sechs Stunden Schlaf bekomme (lacht). Ich habe bei Fraunhofer Umsicht in Sulzbach-Rosenberg vor, ein Gesamtkunstwerk zu realisieren. Wir sind jedoch kein Elfenbeinturm, sondern nahe am Markt.
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