iPhone 7 im Praxistest
Gute Kamera und besserer Akku

Die neuen iPhones haben erstmals einen festen Home-Taster. Unter der berührungsempfindlichen Fläche täuscht ein Vibrationsmotor Bewegung vor. Bild: Christoph Dernbach
 
Äußerlich sind die neuen iPhone 7 (links) und 7 Plus kaum von den Vorgängern zu unterscheiden. Bild: Andrea Warnecke
 
Sehen komisch aus, klingen im Praxistest aber gut. Auch die Verbindung mit dem iPhone gelingt den AirPods problemlos. Günstig sind sie aber nicht: Der Kaufpreis soll bei rund 180 Euro liegen. Bild: Andrea Warnecke
 
Das größere iPhone 7 Plus hat nun zwei Kameras eingebaut. Ein Sensor mit Weitwinkelobjektiv und ein Sensor mit einer Art Zoomlinse. Sie ermögicht zweifachen optischen und zehnfachen digitalen Zoom. Bild: Andrea Warnecke

Geht Apple im zehnten iPhone-Jahr die Innovationskraft aus? Da sich beim neuen iPhone 7 die Gehäuseform quasi nicht geändert hat, könnte man das schnell meinen. Im Praxistest überzeugt das Apple-Gerät aber mit seinem Kamera-Konzept und besseren Akku-Laufzeiten.

Berlin. Die neue iPhone-Generation kann man auf den ersten Blick erneut kaum von den Vorgängermodellen unterscheiden. Ja, der Audio-Klinkenstecker fehlt. Und auch die dünnen weißen Linien auf dem Gehäuse zur Isolierung der Antennen müssen Apple-Chefdesigner Jony Ive irgendwie gestört haben - sie sind beim iPhone 7 verschwunden. Zwei neue Farben gibt es: mattschwarz und das glänzende "diamantschwarz". Sonst ist optisch alles beim Alten. Aber schon beim Aufwecken des Geräts aus dem Ruhezustand spürt man einen Unterschied.

Das iPhone 7 erkennt, wenn es aus der Tasche genommen oder in Richtung Gesicht bewegt wird - und aktiviert automatisch die Anzeige. So muss man für den schnellen Blick auf das Display keinen einzigen Knopf drücken. Entsperrt man das Gerät mit dem Fingerabdruck, fällt ein weiterer Unterschied auf: Der Home-Button ist kein mechanischer Knopf mehr, sondern eine drucksensitive Fläche, die sich keinen Millimeter mehr bewegt. Ein kleiner Vibrationsmotor im Gehäuse simuliert die Druckbewegung.


Leichter und dicht


Etwas leichter als die Vorgänger (188 Gramm beim iPhone 7 Plus und 138 Gramm beim kleineren iPhone 7), erfüllt das Gerät jetzt die Norm IP67 und sollte also einen Sturz in die gefüllte Badewanne oder einen heftigen Regenschauer beim Fotografieren überleben. Zum Schwimmen oder Tauchen reicht das aber nicht. Der bessere Schutz vor Staub und Spritzwasser ist einer der Gründe, warum Apple auf die herkömmliche Klinkenstecker-Buchse für den Kopfhörer verzichtet hat. Andere Hersteller bekommen das zwar auch mit einer eingebauten Klinkenbuchse auf die Reihe. Dem Team um Jony Ive ging es aber darum, den knappen Platz im Gehäuse für andere Dinge zu nutzen. So verfügt das iPhone 7 an der Gehäuse-Oberseite über einen zweiten Lautsprecher.

Im Praxistest gelingt der viel kritisierte Übergang in das digitale Audio-Zeitalter überraschend schmerzlos. Auch weil das Pflaster für mögliche Schürfwunden schon vorsorglich in der Schachtel liegt: In der Box befindet sich ein Paar der üblichen weißen Apple-Ohrhörer, die an die Lightning-Buchse des iPhone 7 gestöpselt werden. Außerdem gibt es einen Adapter für Klinken-Kopfhörer, den Apple für neun Euro auch separat verkauft.

Auf Lightning als Audio-Schnittstelle setzt nicht nur Apple, sondern inzwischen auch etliche Hersteller von Kopfhörern, etwa JBL, Philips, Sony oder weniger bekannte Anbieter wie Audeze, Brightech oder Shark. Auf der IFA in Berlin zeigte zum Beispiel der dänische Hersteller Libratone seinen Kopfhörer Q Adapt, der für die Reduzierung der Umgebungsgeräusche keinen eigenen Akku mehr benötigt. Die Stöpsel werden über das Lightning-Kabel mit Strom aus dem iPhone versorgt.


Ausgewogener Klang


Für den Praxistest ließ sich auch ein Vorserien-Modell der neuen drahtlosen Apple-Kopfhörer AirPods ausprobieren. Sie lassen sich nicht nur dank eines eingebauten Chips mit dem iPhone 7 besonders einfach koppeln, sondern geben auch einen ausgewogenen Klang wieder. Bei dem ominösen "W1"-Prozessor wird es sich vermutlich um einen NFC-Chip oder einen Funk-Beacon handeln, der das Koppeln von Smartphone und Kopfhörer zum Kinderspiel macht. Die eigentliche Audio-Übertragung läuft über Bluetooth und funktionierte im Test auch mit einem älteren iPhone 5C.

Ein Teil des durch den Wegfall der Klinkenbuchse gewonnenen Platzes verwendet Apple offenbar für eine größere Batterie. Im Praxistest ließ sich zwar nicht ins Innere des iPhone 7 schauen, aber eine spürbar längere Akku-Laufzeit messen. Dieser kommt auch das Konzept zugute, für das sich Apple beim Hauptprozessor des iPhone 7, dem A10-Fusion-Chip, entschieden hat. Es handelt sich erstmals um einen Vier-Kerne-Prozessor. Zwei Kerne arbeiten stromsparend, zwei haben ordentlich Rechen-Power.


Alles stabil


Bei der Kamera hatte das iPhone schon im Jahr 2015 einen großen Sprung nach vorne gemacht und die Auflösung der Hauptkamera auf zwölf Megapixel erhöht. Jetzt hat auch das kleinere iPhone 7 einen optischen Bildstabilisator, nicht nur der größere Plus-Bruder. Die im Praxistest gedrehten Videos liegen qualitativ über denen der Konkurrenzgeräte, insbesondere bei den Full-HD-Videos mit 60 fps.

Etwas anders fällt das Testergebnis bei den Fotos aus. Hier spielen Samsung und Apple in einer Liga. Beim iPhone 7 erscheinen die Bilder scharf und zeigen viele Bilddetails. Bei den Farben und beim Kontrast agiert Apple zugunsten einer "natürlichen" Darstellung eher zurückhaltend, während die Bilder beim Galaxy Note 7 farbkräftiger ausfallen. Wo Samsung bei Farbe und Kontrast ein wenig übertreibt, agiert Apple ein bisschen zu defensiv. Und bei ganz wenig Licht im Raum hatte Samsung im Test die Nase ein wenig vorne: Die Bilder wiesen weniger Farbrauschen auf als die iPhone-Fotos.

Das iPhone 7 Plus verfügt über eine zweite Rückenkamera mit einem Teleobjektiv, so dass für Fotos ein zweifacher optischen Zoom möglich ist. Dazu kommt ein bis zu zehnfacher digitaler Zoom. Im Test blieben die Fotos dank des Bildstabilisators trotz des Zooms scharf. Bei schlechtem Licht fielen die Weitwinkel-Aufnahmen aber etwas besser aus, weil das Teleobjektiv nicht ganz so lichtempfindlich ist.


Fazit


Wer ein iPhone mit einem grundlegend neuen Gehäusedesign haben möchte, muss sich noch gedulden. Aber insbesondere für Besitzer eines älteren iPhone-Modells gibt es mit der exzellenten Kamera und der guten Akku-Laufzeit zwei Gründe, auf das iPhone 7 zu wechseln. Aber wie immer bei Apple hat das seinen Preis: Das iPhone 7 verkauft das Unternehmen mit 32 Gigabyte Speicher für 759 Euro. 128 Gigabyte kosten 110 Euro mehr, 256 GB weitere 110 Euro Aufschlag.

Das iPhone 7 Plus kostet jeweils 140 Euro mehr als das entsprechende iPhone 7 (899, 1009 und 1119 Euro). Apple behält aber auch die Vorjahresmodelle 6S und 6S Plus, die für 649 Euro und 759 Euro (mit 32 GB) sowie für 759 Euro und 869 Euro (mit 128 GB) zu haben sind. Auch das kleinere 4-Zoll-Modell iPhone SE bleibt im Programm und kostet 479 Euro (16 GB) oder 539 Euro (64 GB).

Sieben neue Funktionen von iOS 10"iOS 10 ist unser bisher größter Release": Mit diesen großen Worten kündigt Apple das neue Betriebssystem für seine mobile Geräte an. Das Update gibt es für alle Geräte ab iPhone 5, iPad mini 2, iPads der 4. Generation und iPod Touch der 6. Generation. Doch was steckt drin im Update? Sieben neue Features des mobilen Betriebssystems.

STÄRKERE INTEGRATION VON SIRI: Apple hat die Sprachassistentin Siri für andere Entwickler geöffnet. Damit können diese Apps über Spracheingabe gesteuert und deren Informationen ausgewertet werden. Per Sprachbefehl werden zum Beispiel Nachrichten über Whatsapp oder andere Messenger verschickt: "Schreibe Peter über WhatsApp, dass ich in fünf Minuten ankomme". Siri soll außerdem Aktivitäten wie Runtastic starten oder Bilder in Pinterest suchen können.

INTELLIGENTE TASTATUR: Die QuickType-Tastatur erkennt nun automatisch die geschriebene Sprache - so lässt sich zum Beispiel leicht zwischen Deutsch und Englisch wechseln. Die Eingabe bietet zusammen mit Siri im Kontext Hilfe an - dreht sich die Unterhaltung beispielsweise um eine Verabredung zum Essen, können Daten wie Termin, Adresse und Restaurants direkt in den Kalender eingetragen werden. Auch Kontaktdaten werden im Kontext vorgeschlagen. Und wer sich zurück in die Grundschule sehnt, kann in einer Nachricht per Fingerdruck Wörter wie Fußball, Uhr oder Pizza durch passende Emoji ersetzen lassen.

STICKER UND GEHEIMTINTE IN IMESSAGE: Mehrere neue Funktionen gibt es für iMessage. So können die Nutzer beispielsweise handschriftliche Texte schreiben, Sprechblasen größer und kleiner werden lassen und Sticker verschicken. Mit einer Geheimtinten-Funktion lassen sich Fotos und Nachrichten verschicken, die nur beim Drüberwischen angezeigt werden. Wer Apple Music nutzt, kann auch leicht einen Song mit einem anderen Nutzer teilen, der dann in das Lied reinhören kann.

MEHR INFOS AUF DEM SPERRBILDSCHIRM: Apple legt in iOS 10 mehr Wert auf seinen Sperrbildschirm. Dieser zeigt sich bereits, wenn das Gerät vom Tisch gehoben wird - nicht erst wenn man auf den Home-Button drückt und dabei meist schon per Fingerabdruck-Scan das Gerät entsperrt. Die Benachrichtigungen werden außerdem mit verschiedenen Widgets aufgewertet, auch die Kamera soll aus dem Sperrbildschirm heraus schneller gestartet werden können.

BESSERE FOTOSUCHE: An einer intelligenten Bildsuche arbeiten verschiedene Unternehmen, zum Beispiel auch Apple-Konkurrent Google. Die Foto-App von iOS 10 soll Gesichter, Orte und Gegenstände erkennen und nach ihnen filtern können. Apple verspricht, dass die Bildanalyse auf dem Gerät läuft und nicht in der Cloud - so sollen die eigenen Daten besser geschützt sein. Die Foto-App erstellt aus den Bildern auch kurze Filmchen mit Musikuntermalung.

MEHR OPTIONEN IN DEN KARTEN: Die Karten-App hat unter iOS 10 ein neues Design bekommen. Nutzer können mit neuen Features unter anderem entlang einer Strecke nach bestimmten Dingen suchen - zum Beispiel nach einer Tankstelle oder einem Café. Die App macht außerdem Vorschläge, wohin es gehen soll - etwa zur Arbeit oder nach Hause.

APP FÜR DAS SMART HOME: Mit der neuen Home App gibt Apple dem Nutzer Kontrolle über sein intelligentes Zuhause. Vom iPad oder iPhone können Licht, Jalousien oder Thermostat gesteuert werden - vorausgesetzt, es gibt auch entsprechende Geräte im Haus.

iOS 10 kann unter "Einstellungen/Allgemein/Softwareaktualisierungen" heruntergeladen werden. Oder man verbindet das iOS-Gerät mit dem Computer und lädt das Update via iTunes herunter. Vor dem Umstieg sollten alle Daten gesichert werden. Wer sein Backup in iTunes verschlüsselt anlegt, speichert dabei auch alle Log-in-Informationen für Apps und Inhalte wie Chats oder Einstellungen. Achtung: Das Passwort sollte man sich gut merken oder besser noch aufschreiben. (dpa)
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