Journalist, Aufseher und vier Wertpapierhändler festgenommen - Strafen auch gegen Internetnutzer
Nach Börsencrash: China präsentiert "Schuldige"

Seit Wochen geht es an den Börsen in China vor allem nach unten. Bild: dpa
Der Kurssturz an den chinesischen Aktienmärkten hat die Börsen weltweit erschüttert. Nun will Chinas Führung Schuldige für das Beben gefunden haben. Ein Journalist, ein Beamter der Börsenaufsicht und vier Wertpapierhändler wurden festgenommen. Das berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am Montag. Mit der Präsentation der Sündenböcke ändert Peking seine Strategie im Kampf gegen die seit Monaten andauernden Börsenturbulenzen.

Seit vergangenem Sommer war der Leitindex in Shenzhen zunächst um mehr als 150 Prozent gestiegen, weil Privatanleger massenhaft Aktien auf Kredit gekauft hatten. Staatsmedien hatten die Menschen damals ermuntert, einzusteigen. Seit Mitte Juni sind die Kurse allerdings eingebrochen. Um nicht den Zorn der Anleger auf sich zu ziehen, hatte die Regierung versucht, mit Marktinterventionen gegenzusteuern - allerdings ohne Erfolg. Nun müssen Verantwortliche für das Desaster her. Staatsmedien schilderten am Montag das angebliche Geständnis eines Finanzjournalisten, der mit der Aussage zitiert wird, mit der Verbreitung von falschen Informationen für schwere "Unruhen" gesorgt zu haben, die für Investoren "große Verluste" zur Folge hatten. Ebenfalls ein Geständnis abgelegt hat dem Bericht zufolge ein Beamter der chinesischen Börsenaufsicht. Diesem wird Insiderhandel und die Annahme von Bestechungsgeldern vorgeworfen. Wie die Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, wurden zudem 197 Internetnutzer bestraft, weil sie über die Börsenturbulenzen und die Explosionskatastrophe in Tianjin im Internet "Gerüchte verbreitet" haben sollen. In China gilt ein Gesetz, wonach die Verbreitung von Gerüchten mit eine Freiheitsstrafe von drei Jahren geahndet werden kann, wenn Beiträge im Internet mehr als 500 Mal geteilt oder 5000 Mal angesehen werden.
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