Kabinett macht den Weg frei
Stecker rein: Bonus für die E-Autos

Kaufprämien für Elektroautos kommen. Das hat die Bundesregierung am Mittwoch beschlossen. Archivbild: dpa

Die Förderung von Elektroautos mit Kaufprämien spaltet: Teures Wunschdenken der Politik auf Kosten der Steuerzahler? Oder sinnvolle Anschubfinanzierung, damit die deutsche Autoindustrie weltweit auch in Zukunft die Nase vorn hat?

Berlin. Mit einem milliardenschweren Förderprogramm will Schwarz-Rot dafür sorgen, dass bald Elektroautos das Stadtbild prägen. Am Mittwoch hat die Bundesregierung die Details zu Kaufprämien, Steueranreizen und Ladesäulen beschlossen. Dann müssen teilweise noch die EU-Kommission und der Haushaltsausschuss des Bundestages grünes Licht geben. Wichtige Fragen und Antworten zum Thema:

Wie hoch sind die Kaufprämien?

Für reine E-Autos mit Batterie gibt es insgesamt 4000 Euro "Umweltbonus", wie die Prämien offiziell heißen - also 2000 Euro vom Bund und 2000 Euro vom Hersteller, die sich die Gesamtkosten von 1,2 Milliarden Euro teilen. Bei Hybridautos, die per Stecker geladen werden und einen ergänzenden Verbrennungsmotor haben, sind es insgesamt 3000 Euro Prämie (1500 Euro vom Staat, 1500 Euro vom Hersteller).

Wo kann ich einen Antrag stellen?

Wie 2009 bei der "Abwrackprämie" beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) in Eschborn bei Frankfurt - allerdings nur online in einem Internet-Portal, das bald freigeschaltet wird. Das Datum steht noch nicht fest. Dort werden auch alle Fahrzeugmodelle der verschiedenen Hersteller aufgeführt sein, für die es die Prämie gibt.

Wer kann den Umweltbonus beantragen?

Anträge dürfen Privatpersonen, Firmen, Stiftungen, Körperschaften und Vereine stellen. Das E-Fahrzeug darf aber erst nach dem 18. Mai gekauft worden sein. Der Listenpreis des Basismodells darf nicht mehr als 60 000 Euro betragen. Es gelten die Netto-Listenpreise zum 31. Dezember 2015. Käufer müssen das neue E-Auto mindestens neun Monate behalten, das gilt auch für Leasing. Wer die Prämie bekommen will, muss eine Rechnungskopie vom Autohändler sowie den Zulassungsnachweis auf den Antragsteller (Fahrzeugschein und Fahrzeugbrief) vorlegen. Dafür hat man einen Monat Zeit nach Eingang des Antrags beim Bafa. Achtung: Um die 2000 Euro Bonus vom Staat für einen reinen "Stromer" oder 1500 Euro für einen Hybrid-Wagen zu bekommen, muss auf der Rechnung vom Autohändler stehen, dass der Hersteller eine Prämie in selber Höhe vom Netto-Kaufpreis bereits abgezogen hat.

Wie lange gilt der Umweltbonus?

Für die Prämien gilt das Windhundprinzip. Gezahlt wird nur, so lange Geld im Fördertopf ist, den Bund und Branche mit je 600 Millionen Euro füllen. Spätestens Schluss sein soll am 30. Juni 2019.

Welchen Effekt soll die Prämie haben?

Die Regierung erwartet, dass so der Kauf von "mindestens 300 000 Fahrzeugen" angeschoben wird. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hofft sogar auf 500 000. Das wäre dann immer noch nur die Hälfte des regierungsamtlichen Ziels von einer Million E-Autos bis 2020.

Lohnt sich ein E-Auto steuerlich?

Ja. Rückwirkend zum 1. Januar 2016 wird die Steuerbefreiung für neue (und umgerüstete) Elektrofahrzeuge von fünf auf zehn Jahre verdoppelt. Arbeitnehmer müssen keine Steuern zahlen, wenn sie in der Firma ihr privates E-Auto aufladen. Arbeitgeber bekommen die Möglichkeit, geldwerte Vorteile pauschal mit 25 Prozent Lohnsteuer zu besteuern. Diese Regelungen gelten befristet vom 1. Januar 2017 bis Ende 2020.

Rechnen sich Kaufprämien für Privatleute, und was bringen sie für den Klimaschutz?

Der ADAC hat nachgerechnet. Selbst mit 4000 Euro Prämie bleibe ein Großteil der aktuellen E-Modelle bei den Kosten pro Kilometer teurer als Benziner oder Diesel, heißt es beim Autofahrer-Verband. Experten monieren, dass die Batterien noch zu schwer seien, ihre Reichweite zu gering sei und im Winter zu viel Strom für die Heizung im E-Mobil verloren gehe. Wissenschaftler zweifeln, ob die Prämie ihren Zweck - weniger Kohlendioxid- und Stickstoffausstoß durch E-Antriebe - erfüllen wird.
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