Kaiser’s Tengelmann
Rettung ver Einzelhandelskette scheitert

Die Supermarktketten Kaisers's Tengelmann und Edeka in einer Hand - das wird es auch in Zukunft nicht geben. Archivbild: dpa

Hoffnungen auf die Rettung bei Kaiser's Tengelmann haben sich am Donnerstag zerschlagen. Statt Verhandlungen dominierten am Ende die Schuldzuweisungen zwischen den Rivalen.

Mülheim/Ruhr. Zwei Jahre haben die 15 000 Beschäftigten bei Kaiser's Tengelmann um ihre Arbeitsplätze gebangt. Am Donnerstagabend wurden viele Hoffnungen zerstört. Tengelmann, Edeka und Rewe erklärten ihre Verhandlungen, mit denen in letzter Minute der Verlust tausender Arbeitsplätze verhindert werden sollte, für gescheitert. Am Ende ging es den Beteiligten offenbar weniger um eine Lösung im Interesse der Beschäftigten als darum, dem anderen die Schuld am Scheitern zuzuweisen.

Verdi vermittelt vergeblich


Dabei war noch vor knapp zwei Wochen zarte Hoffnung auf eine Lösung im Interesse der Mitarbeiter aufgekeimt, als sich Tengelmann-Eigentümer Karl-Erivan Haub, Edeka-Chef Markus Mosa und Rewe-Chef Alain Caparros unter Vermittlung der Gewerkschaft Verdi das Ziel setzten, einen Kompromiss zu finden. Dieser sollte es erlauben, die Ministererlaubnis von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) in Sachen Kaiser's Tengelmann und damit die Übernahme durch Edeka doch noch umzusetzen und so die Arbeitsplätze zu sichern. Dafür hätte Rewe eine Klage gegen die Ministerlaubnis zurückziehen müssen. Das Feilschen um einen Kompromiss begann - mit dem Willen zu einer Einigung.

Doch den Worten folgten wenige Taten. Die Gespräche gerieten ins Stocken. Kurz darauf begann das Schwarze-Peter-Spiel. Zuerst unter dem Siegel der Verschwiegenheit. Am Ende ganz offen. Der Frontverlauf war klar. Edeka und Tengelmann auf der einen, Rewe auf der anderen Seite. Haub warf Rewe und Co am Donnerstagabend vor, nicht bereit gewesen zu sein, "konstruktiv an Lösungen zu arbeiten und ihrer Beschwerden zurückzuziehen". Bei Edeka klang dies noch schärfer: "Es drängt sich der Eindruck auf, dass Rewe an keiner Lösung im Rahmen der Ministererlaubnis interessiert war."

Rewe-Chef Caparros zahlte mit gleicher Münze zurück: "Karl-Erivan Haub und Markus Mosa haben sich auf Kosten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Kaiser's Tengelmann verspekuliert und die große Chance vertan, die Arbeitsplätze bei Kaiser's Tengelmann zu sichern", hieß es in einer Erklärung. Beide Seiten werfen sich wechselseitig vor, die Gespräche blockiert zu haben.

Tatsächlich waren die Hürden sehr hoch. Die Positionen vielleicht unvereinbar. Rewe war von Anfang an nicht bereit, zu akzeptieren, dass Edeka den ganzen Kuchen bekommt und seine Position als Marktführer spürbar ausbaut. Immerhin konnte sich Rewe darauf berufen, dass das Kartellamt die Übernahmepläne von Edeka aus Sorge um den Wettbewerb abgelehnt hatte. Die einzige akzeptable Lösung in den Augen der Kölner war deshalb wohl eine Aufteilung von Kaiser's Tengelmann. Doch stießen die Aufteilungswünsche von Rewe auf etliche rechtliche Hürden. Denn die Ministererlaubnis sah die Abgabe von Filialen nur "im Einzelfall" vor. Und größere Übernahmen durch Rewe hätten eine neue Prüfung durch das Kartellamt nach sich gezogen - mit ungewissem Ausgang.

Letztes Angebot


Am Ende machte Rewe ein letztes Angebot, Kaiser's Tengelmann als Ganzes zu übernehmen und alle Arbeitsplätze abzusichern. Haub wies dies als rechtlich nicht gangbar zurück. Einmal mehr durfte der Zuschauer wählen, bei wem jetzt der Schwarze Peter lag. Die Mitarbeiter von Kaiser's Tengelmann reagierten geschockt.
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