Kaminkehrer als die neuen Energieberater

Regierungspräsident Axel Bartelt und Staatssekretär Albert Füracker (von links) lauschen dem Weidener Architekten Klaus Lehner (Mitte) vom Architekturbüro Popp aus Schwandorf bei der Erläuterung des Projekts. Der weiße Neubau schließt bei dem Modell gut sichtbar an das bestehende Schulungszentrum an. Bild: Fütterer

"Die Politiker können nur davon träumen, dass sich bei ihrem Anblick alle freuen." Humorvoll charakterisierte Finanzstaatssekretär Albert Füracker die Beliebtheit der Kaminkehrer als Glücksbringer. Der frühere Schlotfeger ist heute Energieberater und Messtechniker. Diesem Anspruch trägt die Erweiterung des Schulungszentrums Rechnung.

Dietfurt/Mühlbach. (cf) Für fast die Hälfte der 1400 bayerischen Kaminkehrer-Betriebe - die Innungen Oberpfalz, Unter- und Oberfranken - ist das Aus- und Fortbildungszentrum Mühlbach im Altmühltal (Kreis Neumarkt) eine feste Größe. Hier erhalten alle Lehrlinge aus Nordbayern das berufliche Rüstzeug in einer Blockbeschulung von vier Mal drei Wochen im Jahr. Mindestens ebenso wichtig ist die überbetriebliche Ausbildung von Gesellen und Meistern zu Themen wie Energieeinsparung, Feinstaub-Messung, Prüfung moderner Lüftungsanlagen in Häusern oder vorbeugendem Brandschutz. Diese Lehrgänge sind Voraussetzung bei der Vergabe von Kehrbezirken.

Die neue Ausbildungsverordnung verlangt nach einer neuen funktionellen Werkhalle und die überlastete Küche nach einer umfassenden Modernisierung. Bisher müssen bei Vollbelegung des Hauses mit seinen 180 Betten die Mahlzeiten in zwei Schichten erfolgen. 2,6 Millionen Euro (davon 900 000 Euro für die Küche) kostet das gesamte Projekt, für das am Donnerstag der symbolische erste Spatenstich erfolgte. Das seit 44 Jahren bestehende Ausbildungszentrum ist nach Einschätzung seines Leiters, Obermeister Peter Wilhelm, die "bestausgestattete Kaminkehrer-Einrichtung Europas". Mühlbach ist übrigens "Staatlich anerkannter Luftkurort": Für Wilhelm ein klares Zeichen dafür, "dass sich so viele Kaminkehrer für den Umweltschutz engagieren".

Bei dem kleinen Festakt rühmte Staatssekretär Füracker die Kaminkehrer als "Botschafter für den praktischen Umweltschutz". Regierungspräsident Axel Bartelt bezeichnete sie als "Garanten für Umweltschutz und Energieeinsparung"; Handwerkskammer-Präsident Dr. Georg Haber lobte Mühlbach als "innovatives und zukunftsfähiges Zentrum auf höchstem Niveau".

Zeitgleich tagt in Mühlbach die Europäische Schornsteinfeger-Förderation mit Vertretern aus 16 Ländern. Präsident Hans Günther Beyerstedt bemüht sich um die Angleichung der Schornsteinfeger-Ausbildung in Europa an das "bewährte deutsche duale Ausbildungssystem". "Dies ist jedoch nicht von heute auf morgen zu lösen", gestand Beyerstedt "erhebliche Schwierigkeiten" ein.
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