Kanadier kaufen Kaufhof

Schlappe für Karstadt-Eigner René Benko: Im Endspurt um Kaufhof hatte die kanadische Handelskette Hudson's Bay schließlich die Nase vorn. Als neuer Kaufhof-Eigentümer will das Unternehmen Standorte und Jobs erhalten. Verdi pocht jedoch auf verbindliche Zusagen.

Das Bieterrennen um die Warenhauskette Kaufhof ist entschieden: Der Handelsriese Metro verkauft seine Tochter für 2,8 Milliarden Euro an den kanadischen Konzern Hudson's Bay. Das teilte die Metro AG am Montag in Düsseldorf mit. Die Vereinbarung umfasst das in Deutschland vornehmlich unter Galeria Kaufhof sowie in Belgien unter Galeria Inno operierende Warenhaus-Geschäft und die dazugehörenden Immobilien. Damit stechen die Kanadier den Karstadt-Eigentümer Signa aus, der ebenfalls für Kaufhof geboten hatte. Der österreichische Karstadt-Eigner René Benko soll Medienberichten zufolge ein Angebot in ähnlicher Höhe abgegeben haben.

Bei einer Pressekonferenz in Köln unterstrich Hudson's-Bay-Spitzenmanager Richard Baker die Zusagen des Unternehmens für Standorte und Beschäftigte. "Wir haben keinerlei Pläne, Geschäfte zu schließen. Wir haben uns zudem festgelegt, die Zahl der Mitarbeiter nicht zu senken", betonte er. Der neue Kaufhof-Besitzer Hudson's Bay mit Hauptsitz in Toronto wolle die Mitarbeiterzahl eher erhöhen als verringern.

Forderungen von Verdi

Die Gewerkschaft Verdi pochte auf rechtsverbindliche Verträge zur Standort- und Beschäftigungssicherung. Die Ansprüche der Mitarbeiter müssten nun durch Tarifverträge mit der Gewerkschaft abgesichert werden. Dabei begrüße man ausdrücklich die offenbar vertraglich vereinbarten Zusicherungen für Standorte und Beschäftigte. "Der Verkauf bietet die Chance, dass die Beschäftigten nach jahrelangen Spekulationen um die Zukunft von Kaufhof jetzt eine klare Perspektive erhalten", sagte Verdi-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger.

Die Gewerkschaft fordert neben der Tarifbindung die Zusage, dass in den nächsten fünf Jahren keine Häuser geschlossen werden und die Mitbestimmungsstruktur erhalten bleibt. Auch sollen betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen werden. Ausgenommen seien diejenigen Häuser, deren Aus bereits eingeleitet wurde.

Der Zuschlag an die Kanadier hatte sich schon Ende der vergangenen Woche abgezeichnet. Auch der Erlös von knapp drei Milliarden Euro ist nach dem in den vergangenen Wochen heftiger gewordenen Bieterrennen keine Überraschung mehr. Wie Metro-Finanzchef Mark Frese bereits der "Börsen-Zeitung" angesichts des wahrscheinlichen Verkaufs sagte, soll der Milliardenerlös zur weiteren Entschuldung sowie zum Ausbau der Investitionen in andere Geschäftsfelder gesteckt werden.

Karstadt weiter entwickeln

Der Karstadt-Eigner Signa Retail hat enttäuscht auf den Verkauf reagiert. "Wir haben uns drei Jahre lang auf die Verwirklichung der Deutschen Warenhaus Holding intensiv und gewissenhaft vorbereitet, um die beiden deutschen Traditionsmarken Kaufhof und Karstadt gemeinsam in eine gute Zukunft zu führen", hieß es in einer Mitteilung vom Montag in Wien. "Dies ist nun nicht mehr möglich." Signa betonte, die Finanzierung für den Erwerb von Kaufhof sei gesichert gewesen. Außerdem sei man bereit gewesen, umfangreiche Arbeitnehmerrechte zu akzeptieren. "Wir konzentrieren uns nun darauf, die äußerst positive Entwicklung der Karstadt Warenhaus GmbH mit aller Kraft fortzusetzen", hieß es weiter.
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