Kartellamt fährt Edeka in die Parade

Der Wettbewerbsbehörde ist die hohe Marktkonzentration im Lebensmittelhandel schon lange ein Dorn im Auge. Um doch noch grünes Licht für eine Fusion zu bekommen, müssen sich Edeka und Tengelmann wohl einiges einfallen lassen.

Die geplante Übernahme von 415 Kaiser's-Tengelmann-Supermärkten durch Edeka droht am Widerstand des Bundeskartellamts zu scheitern. Die Wettbewerbsbehörde erhob am Dienstag erhebliche wettbewerbsrechtliche Bedenken und signalisierte, den Zusammenschluss in der bislang geplanten Form untersagen zu wollen.

Konzentration verstärkt

Kartellamtspräsident Andreas Mundt betonte, nach den Ermittlungen seiner Behörde drohe durch den Zusammenschluss eine weitere Marktkonzentration vor allem in Berlin, München und einzelnen größeren Städten Nordrhein-Westfalens. In vielen der betroffenen Regionalmärkte würden dann mit Edeka und Rewe sowie ihren Discounttöchtern Netto und Penny nur noch zwei Nahversorger übrig bleiben, die dem Kunden ein umfassendes Warensortiment mit einem hohen Anteil von Markenartikeln anbieten könnten.

Auch im Beschaffungsmarkt - insbesondere bei Markenartikeln - drohe eine weitere erhebliche Behinderung des Wettbewerbs, da den Herstellern eine der verbleibenden Absatzalternativen zu den Marktführern Edeka, Rewe und Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) wegbreche, kritisierten die Wettbewerbshüter.

Die ablehnende Haltung des Bundeskartellamtes muss aber nicht das letzte Wort sein. Die Unternehmen haben nun bis zum 26. Februar die Möglichkeit, Stellung zu nehmen und Vorschläge zu machen, um die Bedenken des Kartellamts auszuräumen. Diese Frist kann auch verlängert werden. Eine Möglichkeit zur Ausräumung der Bedenken wäre etwa, die Kaiser's-Tengelmann-Filialen in den vom Kartellamt als besonders kritisch bewerteten Gebieten aus dem Verkaufspaket herauszulösen und an einen anderen Wettbewerber als Edeka zu verkaufen. Schwieriger dürfte es sein, die Bedenken der Kartellwächter gegen die Steigerung der Einkaufsmacht Edekas zu beseitigen.

Bedenken gewachsen

Auch beim Verkauf des Tengelmann-Discounters Plus an Edeka im Jahr 2008 hatte die Wettbewerbsbehörde Bedenken erhoben, die Übernahme dann aber unter Auflagen freigegeben. Mehr als 300 Plus-Märkte mussten damals an andere Wettbewerber verkauft werden.

Seitdem sind allerdings die Bedenken des Kartellamtes wegen der Marktkonzentration im Lebensmittelhandel gewachsen. Denn eine Untersuchung der Behörde ergab 2014, dass Edeka, Rewe, Aldi sowie die Schwarz-Gruppe inzwischen bereits rund 85 Prozent des Absatzes auf sich vereinen. Die Unternehmen lehnten am Dienstag eine Stellungnahme zu der vorläufigen Einschätzung des Kartellamts ab.
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