Kehrtwende: Eon behält Atomkraftwerke

Eon zieht Konsequenzen aus der laufenden politischen Debatte um Haftungsrisiken und behält seine Atomkraftwerke (im Bild die Anlage im schleswig-holsteinischen Brokdorf) nun doch. Archivbild: dpa

Am Ende waren die Risiken wohl zu hoch und der politische Druck zu groß: Bei seinem geplanten Konzernumbau behält Eon nun doch die Atomkraftwerke und beugt sich Berlin. Der "alten" Eon drohen unterdessen in ihrem letzten Geschäftsjahr erneut schwere Verluste.

Deutschlands größter Energiekonzern Eon vollzieht bei seiner geplanten Aufspaltung in zwei Teile eine Kehrtwende: Anders als vorgesehen, wird das Unternehmen die Atomkraftwerke nun doch nicht in eine neue Gesellschaft auslagern. "Die deutsche Kernenergie wird nicht auf Uniper übergehen, sondern bleibt in der Verantwortung von Eon", sagte Vorstandschef Johannes Teyssen am Donnerstag in Düsseldorf. Die angestrebte strategische Neuaufstellung ab 2016 werde man aber im Wesentlichen umsetzen.

"Ewigkeitshaftung"

Teyssen begründete den Schritt mit den hohen Unsicherheiten aus einer neuen Gesetzesinitiative, die die Haftung für Rückstellungen in der Kernenergie regeln soll. Damit werde die Absicht verfolgt, "Eon dauerhaft und in unbegrenzter Höhe" in einem Geschäftsfeld haftbar zu machen, auf das der Konzern nach der Abspaltung keinen Einfluss mehr hätte. Eine solche "Ewigkeitshaftung ohne operativen Einfluss" sei für die Eigentümer unzumutbar.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisierte, da Eon an seiner Aufspaltung festhalte, bleibe das Risiko, dass am Ende die Steuerzahler für die "Ewigkeitskosten" der Atomenergie aufkommen müssten. Es bleibe ungeklärt, ob die vorhandenen Rückstellungen reichten, um den Atommeiler-Rückbau und die Endlagerung zu bezahlen. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) macht sich für ein Gesetz stark, das die Stromkonzerne beim Rückbau der Kernkraftwerke und bei der Endlagerung weitreichend in die Pflicht nimmt. Teyssen hält diese Initiative zwar für "voraussichtlich verfassungswidrig" - er wolle sich aber nicht auf einen langen Rechtsstreit einlassen.

Eon betreibt derzeit in Deutschland noch drei aktive Kernkraftwerke und hält Minderheitsbeteiligungen an drei weiteren. Gesteuert werden die Anlagen künftig in eigenständiger Regie von der Preussen-Elektra, eine Marke, unter der schon früher die Kernkraftwerke bei der Eon-Vorgängerin Veba gebaut und betrieben wurden.

Im Herbst 2014 hatte Eon entschieden, als Reaktion auf die Energiewende die konventionellen Kraftwerksaktivitäten (Kohle, Gas, Kernenergie) in die neue Gesellschaft Uniper auszugliedern. Die neue Eon sollte sich dagegen ganz auf das Geschäft rund um den Ökostrom sowie auf die Energienetze und den Vertrieb konzentrieren.

Erneuter Milliarden-Verlust

Bei Eon bleibt die Stromerzeugung mit fossilen Brennstoffen wegen der niedrigen Großhandelspreise an den Strombörsen weiterhin schwierig. Im dritten Quartal müssen Abschreibungen in der Größenordnung eines "höheren einstelligen" Milliarden-Euro-Betrags verbucht werden. Unter dem Strich wird Eon nach einem Fehlbetrag von 3,2 Milliarden Euro im Vorjahr 2015 erneut milliardenschwere Verluste verbuchen. Die Eon-Aktionäre sollen aber unverändert 0,50 Euro Dividende erhalten.
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